10.3. – Rostock

10.00 Uhr
Erstmal Hamburg-Heiner anrufen. Es gibt Tage, an denen braucht man das weniger stark nicht als an anderen, das muß man gleich ausnutzen.
HH: Sag nichts. Sag nichts. Ich weiß, wer du bist. Ich habe ein digitales Telefon. Kieler Förde, Kamerad, Kieler Förde. Nix Kieler Bucht. Schäm dich. In die Ecke. Liest du eigentlich die Kommentare?
Sven: Lieber nicht. Hab ich Angst vor.
HH: Solltest du haben.
Sven: Das Interaktive ist meine Sache nicht.
HH: Das Wahre auch nicht. Drei Landeshauptstädte am Rhein, mal drüber nachgedacht?
Sven: Ich kam nur auf zwei. Immer nur auf zwei. Mainz und Düsseldorf.
HH: Du hast Wiesbaden vergessen.
Sven: Schlimm!
HH: Mindestens!
Sven: Obwohl andererseits, ich meine, Wiesbaden am Rhein, irgendwie als Stadt am Rhein hat man das ja nicht so auf dem Zettel.
HH: Sollte man aber. Hast du kein Wikipedia oder sowas?
Sven: Nein, hier wird nicht recherchiert, das ist alles nur gefühltes Wissen.
HH: Dann solltest du wenigstens die Kommentare lesen.
Sven: Das kann ich nicht, die nehmen das am Ende alles noch ernst, und was dann?
HH: Wieso sollten die das ernst nehmen?
Sven: Keine Ahnung. Manche von denen glauben vielleicht sogar, daß es dich wirklich gibt, tu dir das mal rein.
HH: Nein?!!!
Sven: Doch. Die Trennlinie zwischen Literatur und richtigem Leben ist ja mittlerweile mehr so mit weichem Bleistift gezogen.
HH: Aber bei dir doch nicht!
Sven: Nein, bei mir ist das dicker, wasserfester Edding. Aber das glaubt einem ja keiner.
HH: Schlimm!
Sven: Kann man wohl sagen.
(längeres Schweigen. Dann:)
HH: Und was läuft sonst so?
Sven: Keine Ahnung. Wir fahren heute nach Rostock. Wo warst du denn gestern? Ich dachte, du wolltest nach Kiel kommen!
HH: Konnte nicht. Mußte meinen Kaktus gießen. Der ist sensibel.
Sven: Ach so. Dann werde ich dich wohl mal wieder für längere Zeit auf Eis legen, alter Freund.
HH: Ich freu mich drauf.
Adieu, Hamburg-Heiner. Was würde ich ohne dich machen…

16.37 Uhr
Rostock. Im Moya-Club gibt es nicht genug Strom. Jetzt werden zusätzliche Leitungen angeschlossen, deshalb liegt alles im Dunkeln. Einsam leuchtet der Notebook-Bildschirm. Wohl dem, der jetzt 10-Finger blind tippen kann. Schlecht aber, wenn man dabei in der Grundstellung verrutscht, fsmm dorjz fsd dp sid!

16.40 Uhr
Das Licht geht wieder an. Bei der RGF summen die Pürierstäbe das Lied von der Haute Cuisine.

16.45 Uhr
Noch ist nicht klar, ob das Konzert überhaupt stattfinden kann. Die lichte Höhe über der Bühne, die Stromkapazität – nichts stimmt. Wir haben aber die beste Crew der Welt, sonst müßte man sich ernsthaft Sorgen machen.

18.30 Uhr
Soundcheck ist fertig. Aber die Haus-Elektriker müssen sich auch noch um die Notstrombeleuchtung kümmern, die ist auch nicht am Start. Kann man nicht riskieren. Der Einlaß wird sich verzögern. Jetzt kommt einem tatsächlich noch die Scheißrealität in die Blog-Quere. Bitter.

20.20 Uhr
Der Einlaß hat sich um 1 Stunde und 20 Minuten verzögert, aber jetzt können die Leute endlich rein. Gleich mal rausgehen und die Sache erklären. Am Ende fällt sowas immer auf die Band zurück. Naja, geschieht uns recht, wir hätten ja auch was Richtiges lernen können.

23.57 Uhr
Vorbei. Es ist alles gutgegangen. Eine feine Tournee. Eine feine Crew. Feine Musiker. Fein, fein, fein. Manche denken, am Ende von solchen Tourneen würde noch groß gefeiert. Kann sein, kann nicht sein.

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