Monatsarchiv für Mai 2009

Schuhe #2 – la tendenza fatale ai piedi nudi

Donnerstag, den 21. Mai 2009

Mittwoch, 16.31
Im Schuhbereich kommt es zu erstaunlichen Entwicklungen. Hier der Reihe nach:
[photopress:IMG_0182.JPG,full,pp_image]
Modell 1: “From hero to zero” (Sarah Connor)! Wo eben noch das rehbraune Wildleder den Spann umschmeichelte, gibt es jetzt nackte Tatsachen. Tennessie ist nicht das Auenland, meine Herren!
[photopress:IMG_0184.JPG,full,pp_image]
Modell 2: Kaum öffentlich angeprangert, schon aus dem Verkehr gezogen: die lilafarbene Socke. Ist das ein Beispiel für die gesellschaftliche Relevanz des Bloggens oder einfach nur feiger Konformismus?
[photopress:IMG_0167_1.JPG,full,pp_image]
Modell 3: Hier wird am Bewährten festgehalten. Zu Recht. Auf lange Sicht gewinnt immer das Rustikale, vgl. Scorpions, Franz Müntefering, D. Diederichsen.
[photopress:IMG_0183_1.JPG,full,pp_image]
Modell 4: Jetzt wird’s katholisch: Modell Woityla aus der Collezione Vaticana von Gianfranco Ferre.

Figlmüller rules okay!

Donnerstag, den 21. Mai 2009

Mittwoch, 11.54
Mark, der Assistent der Blackbird-Studios, zeigt Richard den Schlagzeugraum, d. h. heißt einen Raum, in dem so viele Schlagzeuge gebrauchsfertig herumstehen, daß man sie in einem Leben nicht alle benutzen kann. Als Mark sagt, Richard könne sich irgendwas aussuchen, entscheidet er sich für das größte Ride-Becken der Welt, weil ihn das an die Schnitzel beim Figlmüller in Wien erinnert. Manchmal, sagt er, trauert er schon ein bißchen der Zeit nach, als Norditalien (und – wie er nicht vergißt hinzuzufügen – der „schönere Teil Polens“) noch zu Österreich gehörte, das sei eine schöne Zeit gewesen, er noch jung und Österreich noch knackig. Ich muß das demnächst mal nachrechnen, das eröffnet irgendwie einen ganz neuen Blick auf den Mann mit der schwarzen Weste!
[photopress:IMG_0173.JPG,full,pp_image]
Das größte Ride-Becken der Welt. Das muß jetzt nur noch paniert werden!

Wo die Züge heulen und die Häuser Ohren haben

Donnerstag, den 21. Mai 2009

Mittwoch, 4.30
Draußen heulen die Züge. Es ist tatsächlich wahr: Sie singen ihr Lied in langen, klagenden, sonoren Tönen. Sie sind kilometerlang und fahren sehr langsam, mit vielleicht 5 Stundenkilometern, durch die Gegend. In Nashville werden sie zusammengekoppelt. Was vielleicht jetzt ein guter Anlaß wäre, mal einige Informationen über Nashville in die Welt zu bringen:
Nashville ist eine Stadt mitten im US-Bundesstaat Tennessee; sie liegt am linken Ufer des Cumberland River, über den einige gewagte Brückenkonstruktionen hinwegführen.
Die Hauptwirtschaftszweige von Nashville, in dessen Großraum etwa 1 Million Menschen leben, sind: Kliniken, Universitäten und Verlage für Bibeln und andere religiöse Schriften.
Außerdem ist Nashville ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt.
In der Innenstadt nahe dem Fluß gibt es einige Klimbimläden und schlechte Bars für Touristen.
Das Angebot an Gotteshäusern ist reichhaltig, und es ist für jeden etwas dabei!
Ebenfalls wichtig für das wirtschaftliche Gedeihen von Nashville sind die Straßen, die so krumm und gewunden und ineinander verschränkt und verknotet sind, so dermaßen und geradezu anthroposophenhaft den rechten Winkel verachtend, daß der Weg zu einem Luftlinie 500 Meter entfernten Ort mit dem Auto eine Sache von Tagen werden kann. Immer mal vorausgesetzt, die Vorräte an Benzin, Wasser und Essen reichen aus. Was sie in der Regel nicht tun. Deshalb gibt es überall an den Straßen Restaurants für Hackfleischgerichte und gefüllte Fladenbrote, in denen man sehr freundlich und schnell bedient wird, außerdem Drive-In-Geldautomaten, Tankstellen und Autowäschefirmen, die sich der Betreuung des anonymen, suchenden Autofahrers verschrieben haben, der zu dieser Stadt gehört wie Elvis Presley zu Memphis, das nicht weit von hier, nur einige hundert Kilometer westlich, am Mississippi liegt.
Beherrscht wird das Stadtbild von einem Gebäude der Telefongesellschaft AT&T, das wegen der beiden stilisierten Antennen links und rechts auch „Batman Building“ genannt wird. Vor zwei Jahren noch gehörte es der Telefongesellschaft „Southern Bell“, was der eindeutig poetischere Firmenname war! Aber „Polydor“ war ja auch schöner als „Universal Domestic Division“. Manchmal muß das Schöne dem nicht ganz so Schönen weichen, da muß man dann durch!

[photopress:IMG_0178.JPG,full,pp_image]
Straßenplan von Nashville: Manche drucken ihn sich aufs Hemd, aber das bringt nicht viel!

[photopress:IMG_0179.JPG,full,pp_image]
Ein Feuerwehrauto auf dem Weg zum Einsatz: Seit zwei Stunden fast da!

[photopress:IMG_0181.JPG,full,pp_image]
Batman-Building: Von weiter links könnte man gut erkennen, warum es so heißt!

Das muß jetzt sein!

Mittwoch, den 20. Mai 2009

Dienstag, 15.14
Michael ist Fotograf für den deutschen Rolling Stone. Außerdem ist er kamerascheu wie alle Fotografen. Er wird schon wissen, warum. Er will uns dabei fotografieren, wie wir mitten auf der Straße stehen. Das muß so sein.
[photopress:IMG_0161.JPG,full,pp_image]
Ein Mann schreitet zur Tat um zu tun, was getan werden muß: Eine Band muß dabei fotografiert werden, wie sie mitten auf der Straße steht!

Dinge, um die es eigentlich gar nicht geht: #1 – Schuhe!

Mittwoch, den 20. Mai 2009

Dienstag, 11.56
Hier die Auswahl (anonymisiert, beschränkt auf die Band):
[photopress:IMG_0165.JPG,full,pp_image]
Modell 1: Wildleder, rehbraun, zeitlos elegant, Haltungsnote 1. Bravo!
[photopress:IMG_0166.JPG,full,pp_image]
Modell 2: Skaterschuh mit Segelsportanmutung, exzentrische Sockenwahl – hier wird mehr gewagt als gewonnen!
[photopress:IMG_0167.JPG,full,pp_image]
Modell 3: Die rustikale Variante: form follows function! Besser geht’s nicht.
[photopress:IMG_0168.JPG,full,pp_image]
Modell 4: Der Klassiker: Italienischer Halbschuh, limitierte Auflage aus der Serie „JP II“ von Calzatura Riccione, Milano. Nicht zu toppen!

Die Suche nach dem absoluten Nichts ähnelt nur zu oft der Suche nach einem verlorenen Geldstück!

Mittwoch, den 20. Mai 2009

Dienstag, 11.55
Auffällig beim Abhören der bisherigen Mixe im Studio ist ja, daß man dabei meistens auf den Boden schaut. Als ob es da unten nichts gäbe, das einen ablenken könnte, als sei der Blick nach unten die einzige Möglichkeit, der jedem Studio-Kontrollraum eigenen Überdosis Technikkram zu entgehen, als habe sich dort irgendwo das Mantra versteckt, das einen ins absolute Nichts der Musikerfahrung trägt.
Vielleicht will man aber auch bloß wissen, was die anderen gerade so für Schuhe tragen.
[photopress:IMG_0163.JPG,full,pp_image]
Technikkram, kleiner Ausschnitt

Professioneller Neid

Mittwoch, den 20. Mai 2009

Dienstag, 6.22
Über dem Schreibtisch hängt der s/w-Fotodruck einer Allee in flacher, norddeutsch anmutender Landschaft. Muß an ein Lied denken, das ich mal in Radio Teddy gehört habe:

Allee, Allee, Allee, Allee, Allee
Eine Straße, viele Bäume, sowas nennt man dann Allee.

Wer immer das geschrieben hat, hat’s gut!

Ich glaub, ich leg mich nochmal hin!
[photopress:IMG_0171.JPG,full,pp_image]
Eine Straße, viele Bäume!

Jakob F.: Ein Mann will nach oben!

Mittwoch, den 20. Mai 2009

Dienstag, 3.34 Uhr
Das Hotel ist nichts für Leute mit Höhenangst. Jedenfalls nicht, wenn man im 22. Stock wohnt, weil Herr F. „schön weit oben“ wohnen wollte und die Welt davon ausgeht, daß Leute, die in einer Band zusammen Musik machen, auch Wand an Wand wohnen wollen. Was auch der Fall ist. Musiker und ihre Crews neigen aus Gewohnheit dazu, unterwegs in der Nähe voneinander zu bleiben, sich um ihre gemeinsame Aufgabe herum zusammenzuklumpen, wie es die Wassermoleküle nach Ansicht der an die Homöopathie auch in ihrer esoterischen Form (Bachblüten usw.) glaubenden Menschen dauerhaft um und in der Nähe von und auch noch nach vergangenem Kontakt mit der Wirksubstanz tun, um auf diese Weise deren Eigenschaften auf ungefährliche Weise in den menschlichen Organismus einzubringen und dort für allerlei der Heilung dienliche Reaktionen zu sorgen.
Hm…
Tja, wie auch immer: Im Hotel Sheraton Downtown Nashville sieht man jedenfalls manchmal drei Männer mittleren Alters in nicht zu großem Abstand voneinander, aber jedenfalls immer ganz dicht an der Wand lang die um das Atrium sich wickelnden Wandelgänge bis zu ihren Zimmern hin überwinden. Das Foto zeigt, welchen Anblick sie sich ersparen wollen.
[photopress:IMG_0159.JPG,full,pp_image]
Blick hinunter auf die Rezeption. Die gelben Röhren sind die transparenten Fahrstühle. Vielen Dank auch!

Versuch über den Jetlag mit Abschweifung ins Dies und Das unter besonderer Berücksichtigung des Umstandes, daß letzteres beim Schreiben dieser Überschrift noch gar nicht feststeht (aleatorisches Bloggen)

Mittwoch, den 20. Mai 2009

Dienstag, 1.20 Uhr
Das Problem beim Reden und mehr noch beim Schreiben über den Jetlag ist ja nicht nur, daß es kein deutsches Wort dafür gibt, ein Umstand, der dem über den Jetlag Redenden sogleich die Aura des mit polyglottem Herrenreitertum protzenden Vollidioten gibt, der ein nur einer kleinen, privilegierten Minderheit entstehendes, absolutes Luxusproblem unter Umgehung aller Regeln hanseatischer Zurückhaltung in die virtuelle Luft des Internets pustet und damit nur enthüllt, daß er ein wichtigtuerischer Knallkopf ist, der auch bereit wäre, vor Hungernden über die Probleme des Vollegefühls und vor Dürstenden über die Probleme beim San-Pellegrino-Bestellen („ist manchmal zu warm, manchmal zu kalt“) zu referieren. Immer mal vorausgesetzt, man hält das Reisen an sich für etwas Erstrebenswertes, was ja die meisten Leute komischerweise tun.
Das ist es nicht nur. Aber auch. Dinge, für die es kein richtiges deutsches Wort gibt (Sprezzatura, Groove, je ne sais pas quoi) haben in einem deutschsprachigen Blog (Internettagebuch) nichts zu suchen. Das gilt nicht für sog. Fremdwörter, denn die sind auch deutsche Wörter. Das gilt auch nicht für fremdsprachige Wörter, sofern es dafür irgendwie ein deutsches Wort geben könnte. Das gilt nur für Wörter, die man auf auslandserfahrungsinsiderhafte Weise erklären müßte, was immer und überall den Erklärenden sogleich und für alle Zeiten zum Arsch mit Ohren macht.
Was auch noch ein Problem beim Reden über den Jetlag ist, ist die ungeheure Langeweile, die einen sogleich auf das Lähmendste überfällt, wenn davon die Rede ist. Ja, ja, da ist man aufgewacht, denn für den Körper ist es eigentlich schon acht Uhr morgens, aber hier in XYZ eben erst ein Uhr nachts, ja, und was soll man denn jetzt machen, wie wiegt man sich zurück in den Schlaf, schnarch, schnarch, schon der Gedanke daran birgt die Lösung des Problems. Und wenn das nicht hilft: Französische Strukturalisten lesen. Oder diesen Text hier!
[photopress:IMG_0164.JPG,full,pp_image]
Sprezzatura: So sieht sie aus!

Brain Drain im Twitterland

Dienstag, den 19. Mai 2009

19.15
Hotel.

20.10
Wir treffen Roger und Dave im Studio. Die sind da schon seit Freitag zugange. Sehr beeindruckend. Seit wir abgeflogen sind, sind 22 Stunden vergangen. Zeit, mal was essen zu gehen.

21.00
Im Restaurant Yellow Porch. Das ist überhaupt kein Blog, was ich hier mache, das sieht eher so nach Twitter aus.

21.05
Die Karte kommt.

21.07
Ich kriege ein Bier.

21.09
Noch eins.

21.11
Dave sagt, wer twittert, „hat keinen Brain“. Was meint er damit?

21.25
Happahappa.

22.13
Nachtinachti.
[photopress:IMG_0156.JPG,full,pp_image]
Nashville bei Nacht: Die müssen jetzt mal kurz ohne uns klarkommen!