Kategorie ‘Nashville‘

Afficionado Time Down South

Sonntag, den 24. Mai 2009

Freitag, 17.34
Große Aufregung vor dem Studio, wo Hamburg-Heiner mit einem roten Auto vorfährt und einen 1a-Reifenburnout vorführt. Die sollen mit dem Vintage-Car-Quatsch ruhig so weitermachen, irgendwann dreht sich der Wind, und der Ford Taurus ist plötzlich wieder cool.
[photopress:IMG_0222.JPG,full,pp_image]
Hamburg-Heiner (im Auto sitzend), Pappik-Richard: Vintage-Car-Afficionados im Glück! Noch!
[photopress:IMG_0238.JPG,full,pp_image]
Bald wieder cool: weißer Ford Taurus, Bj. 2008.

Der Remix ist des Mixes Feind

Sonntag, den 24. Mai 2009

Freitag, 17.15
Langsam enspannt sich alles im Studio, die Mixe sind gut, aber das Bessere ist der Feind des Guten, und deshalb gibt es eine schöne Runde Remixe für alle. Und dann sind da noch die Bonustracks. Aber Entspannung: Die Blicke lösen sich vom schiffsgleich beplankten Fußboden und beginnen durch den Raum zu schweifen.
[photopress:IMG_0208.JPG,full,pp_image]
Skeptischer Blick nach oben. So also sieht es hier aus.
[photopress:IMG_0205.JPG,full,pp_image]
Schau mal, der Bildschirm da!

In Hillsboro Village läuten die Alarmglocken

Samstag, den 23. Mai 2009

Freitag, 10.28
Frühstück in Hillsboro Village. Dave kommt vorbei, er wohnt hier in der Nähe bei seinem alten Kumpel Robin und seinem riesigen Magnolienbaum. Als ich frage, ob einer von ihnen Hamburg-Heiner gesehen hat, sagen sie lachend, nein, da wäre nichts, ich solle mir keine Sorgen machen.
Sven: Wie meint ihr das? Wieso Sorgen?
Jakob: Eben gerade nicht!
Richard: Reg dich nicht auf.
Dave: Blüten hat der Baum, so groß wie Fußbälle.
Sven: Wie kommt ihr denn darauf, daß ich mir Sorgen machen könnte.
Jakob: Brauchst du nicht.
Richard: Reg dich bitte nicht auf, das bringt doch nichts!
Dave: Solche Blüten! Wie Fußbälle.
Was wissen die? Was haben die vor?
[photopress:IMG_0201.JPG,full,pp_image]
David Young: Blüten wie Fußbälle
[photopress:IMG_0202.JPG,full,pp_image]
Richard Pappik: Keine Aufregung bitte!
[photopress:IMG_0203.JPG,full,pp_image]
Jakob Friderichs: Mach dir keine Sorgen, Sven!

Der letzte Posten!

Samstag, den 23. Mai 2009

Freitag, 3.27
Nachdenklich schaut der Blogger aus dem 22. Stock in die Nacht von Tennessee. Für morgen sind Gewitterstürme angekündigt. Und Hamburg-Heiner ist irgendwo da draußen auf der Suche nach der Wahrheit und ihren Feinden. Die Züge heulen mehr als gewöhnlich, ein Wind kommt auf, aber das ist bloß die Klimaanlage. Wird die Frau, die das Zimmer macht, heute endlich mal wieder neue Kaffeekissen für den Automaten bringen? So kann man kein Fair Trade machen!
[photopress:IMG_0156.JPG,full,pp_image]
Irgendwo da draußen läuft er jetzt frei herum…

Hamburg Heiner unleashed

Samstag, den 23. Mai 2009

Freitag, 1.34
Im Hotel keine Spur von Hamburg-Heiner. An der Rezeption behaupten sie jetzt, er sei schon abgereist, aber das kann nicht sein, denn bei Starbucks im Erdgeschoss halten sie seinen Stammplatz frei und ordern neue Vorräte von Decaf Bongo Blend.
[photopress:IMG_0225.JPG,full,pp_image]
Starbucks im Nashville Sheraton Downtown: Für Hamburg-Heiner eine gemähte Wiese.
[photopress:IMG_0231.JPG,full,pp_image]
Freigehaltener Hamburg-Heiner-Stammplatz: Hier Ehrensache. Noch warm.
[photopress:IMG_0235.JPG,full,pp_image]
Ihm egal!

Nils R., hörst du mich?

Samstag, den 23. Mai 2009

Donnerstag, 15.00
Der Mann von der Rezeption der Blackbirdstudios kommt persönlich vorbei, um mich ans Telefon zu holen. „Es ist Blogwatch“, sagt er, und er schaut mich an wie einen gerade verhafteten Josef K. Er weiß ja nicht, daß ich Beziehungen habe.

Hamburg-Heiner: Hier ist Blogwatch.
Sven: Ja, ja, laß gut sein, es hört keiner mit.
HH: Trotzdem, die Sache ist ernst.
Sven: Ich hab’s aber erklärt.
HH: Schon, aber das versteht doch keiner.
Sven: Glaub ich aber doch.
HH: Nicht ohne Fotos. Technikfotos.
Sven: Das ist, um es mal österreichisch auszudrücken, fad, Hamburg. Mehr als fad. Das braucht kein Mensch.
HH: Wie du meinst. Ich hab’s gesagt, denk drüber nach. Aber wieso kann man bei deinem Blog keine Kommentare abgeben? Das ist doch das Schönste, daß man die ganzen Kommentare lesen kann!
Sven: Wir haben die bei dem anderen Blog, dem Tourblog, blockiert, weil da pro Posting immer zwischen fünfzehn- und zwanzigtausend Kommentare aufgelaufen sind, und alle eher nicht so sehr zur Sache, sondern eher so sexthematisch.
HH: Sexthematisch? Bei deinem Blog?
Sven: Man gab sich keine Mühe, einen Bezug herzustellen. Jedenfalls hab ich das dann mal rausnehmen lassen, und jetzt ist das abgeschaltet, und ich hab Nils R. von Universal zweimal per eMail darum gebeten, die wieder anzuschalten, und nichts ist passiert.
HH: Und nun?
Sven: Keine Ahnung. Vielleicht liest er ja den Blog.
HH: Würde ich nicht von ausgehen.
Sven: Ich auch nicht. Wo bist du gerade?
HH: Immer noch im Hotel. Die haben hier alles, was man braucht.
Sven: Bist du da nicht einsam?
HH: Schön wär’s!
Sven: Ich muß wieder rein.
HH: Technikfotos, denk mal drüber nach.

Nun, hier sind Technikfotos. Auf Dauer ist es nicht gut, sich mit Blogwatch anzulegen, auch wenn man Beziehungen hat.
[photopress:IMG_0207.JPG,full,pp_image]
24-Spur-2-Zoll-Bandmaschine der Firma Studer: Wenn sich die Spulen drehen, kommt irgendwo Musik raus.
[photopress:IMG_0212.JPG,full,pp_image]
Ähnliche Sache, aber auf Computer. Die bunten Dinger sind die Abbildungen musikalischer Ereignisse.
[photopress:IMG_0220.JPG,full,pp_image]
Eine sogenannte Patch-Bay. Die dazugehörige Kontrollinstanz heißt Patch-Baywatch. Hamburg-Heiner ist da ehrenamtlich tätig. Fotografiert erinnert das an Nudeln ohne alles.
[photopress:IMG_0204.JPG,full,pp_image]
Zeitungskästen für Gratis-Immobilienmagazine. Auch hier gilt: Form follows function!

Bongodeus ex machina

Freitag, den 22. Mai 2009

Donnerstag, 13.30
Zum Mittagessen beim Burritomann ist er wieder da. Mit Auto. „So sehen Autos aus, Signori!“ ruft er in die Runde. Allgemeine Erleichterung, aber auch Erstaunen, Beifallklatschen, Freudentänze, dann Enttäuschung, die langsam einer allgemeinen Erschöpfung weicht. „Wer das Ding anfaßt, ist tot!“ Wenn einer wie Richard Pappik solche Worte ausspricht, kommt keiner auf dumme Gedanken.
[photopress:IMG_0197.JPG,full,pp_image]
Ein Mann und sein Auto. Die Kollegen im Hintergrund tun die Hände zur Sicherheit in die Hosentaschen.

Angst am Steuer

Freitag, den 22. Mai 2009

Donnerstag, 10.30
Frühstück in Hillsboro Village beendet. Richard Pappik will nicht ins Auto einsteigen. „Fahrt ruhig ohne mich, ich komme nach“, sind seine gelassenen Worte, und jovial winkt er uns hinterher, als wir in die Wedgewood Avenue einbiegen. Jakob und ich sind uns nicht sicher, ob es richtig war, ihn dort allein zurückzulassen, da ist alles voller Studenten und Studentinnen und Universitätsprofessoren und Gitarrenhändlern, und wenn wir Pech haben, behalten sie ihn für immer da für eine Professur in italienischer Gastronomie oder als Krautrockbeauftragten.
[photopress:IMG_0189.JPG,full,pp_image]
Wedgewood Avenue: Krautrockbeauftragter gesucht!

Was machen wir hier eigentlich?

Freitag, den 22. Mai 2009

Donnerstag, 2.40
Wenn eine Band wie Element of Crime eine Platte aufnimmt, dann bekommt mehr oder weniger jedes Instrument eine eigene „Spur“ auf einem zwei Zoll (etwa 5 cm) breiten, magnetischen Band zugewiesen, auf welchletzterem in diesem Falle (es gibt auch andere Fälle) 24 solcher Spuren parallel zueinander verlaufen und individuell durch einen entsprechenden Tonkopf abgetastet werden können. Das bedeutet, daß man (durch Aktivieren des „synch“-Tonkopfes) gleichzeitig die eine Spur abhören kann, während man synchron dazu auf eine andere Spur aufnimmt. Man kann also zum Beispiel eine Gitarre abspielen und währenddessen dazu singen und den Gesang genau synchron auf demselben Band aufnehmen. Wenn man solche Bandmaschinen nicht hat, kann man das Verfahren auch mit Computern simulieren. Man kann auch Bandmaschinen mit Computern synchronisieren, wenn man z. B. mehr als 24 Spuren braucht. Bei unserer Produktion brauchten wir für das Schlagzeug allein 10 Spuren: 2 für die Bass-Drum, 2 für die beiden Toms, 1 für die Snare, 2 Overhead- und zwei Ambient-Spuren und 1 für die HiHat. Dann gibt es bei eigentlich allen Stücken eine Spur für Bass, mehrere für mehrere Gitarren, eine Spur für Gesang, dann u. U. und je nach Stück Spuren für Klavier, Hammond-Orgel, Violine, Trompeten, Mandolinen, Ukulele, Akkordeon, Streichquartett (6 Spuren), Percussion, Mundharmonika, Melodika und was weiß ich denn.
Alle diese Instrumente werden so aufgenommen, daß sie ihren ihnen aufzeichnungstechnisch möglichen Volumenpegel möglichst ausfüllen, damit die Nebengeräusche weitgehend reduziert werden, bzw. bei digitalen Aufnahmen die Auflösung möglichst groß ist. Oder, um es (leicht verkürzt) auf den Punkt zu bringen: Die Spuren sind alle ungefähr gleich laut, wenn man sie alle mit der gleichen Einstellung abspielt.

Dies nun passiert beim Mix:
a) Man regelt das Lautstärkeverhältnis der einzelnen Spuren zueinander, indem man ein Mischpult benutzt, auf dem jeder Spur ein eigener Lautstärkeregler zugewiesen ist, und das das Gesamtergebnis dann auf zwei Spuren (wg. Stereo) zusammenführt (mixt). Das ist das Wichtigste: Die Balance der einzelnen Instrumente.
b) Man bearbeitet (wenn nötig!) den Klang der einzelnen Instrumente. Dazu können mit Hilfe von sog. Equalizern und anderen, verwandten Geräten einzelne Tonfrequenzen hervorgehoben oder unterdrückt werden, die Sache kann also spitzer, dumpfer, greller, heller, nöliger, gepflegter, bummbummiger oder was auch immer gemacht werden. Hier sind äußerste Vorsicht und Fingerspitzengefühl geboten.
c) Man gibt, wenn gewünscht, den einzelnen Spuren oder dem Gesamtsound Hall oder Echo hinzu, indem man das akustische Signal, das vom Band kommt, durch ein entsprechendes Effektgerät schickt.

Das klingt einfach, aber es sieht ja auch einfach aus, wenn Gideon Kremer die Geige spielt. Am besten läßt man es jemanden machen, der solchen Dingen sein ganzes Leben gewidmet hat.

Wenn man Musik macht wie wir, dann geht man, wenn es finanziell machbar ist (das ist eine Frage des Budgets, und das Budget ist eine Frage des zu erwartenden Verkaufserfolgs) zu Roger Moutenot, weil der dafür der Beste ist. Und da er in Nashville lebt, fährt man dann nach Nashville. Roger hat auch schon das Album „Mittelpunkt der Welt“ gemischt.
Ein Wort noch zum Schluß: Die Songs eines Albums werden nicht besser durch die Mischung. Man kann aus einem Ackergaul auch durch noch so gutes Mischen kein Rennpferd machen. Aber man kann gute Aufnahmen guter Songs durch schlechtes Mischen verderben. Oder, um es auf den Punkt zu bringen: Ein guter Mix fällt als Mix nicht auf, ein schlechter Mix nervt. Für eitle Menschen eine lose-lose-Situation. Deshalb sind Leute, die das gut können, immer extrem uneitle Obersympathen!
[photopress:IMG_0188.JPG,full,pp_image]
Beispiel für einen unkonventionellen Mix: Blaubeerpfannkuchen und Rührei. Und nun die entscheidende Frage: Wo soll der Sirup hin?
[photopress:IMG_0162.JPG,full,pp_image]
Zwei extrem uneitle Obersympathen: David Young und Roger Moutenot.

Was macht ihr hier eigentlich?

Freitag, den 22. Mai 2009

Donnerstag, 2.25
Das Telefon klingelt. Gut, daß ich schon wach bin. Es ist Hamburg-Heiner.
Sven: Hamburg, alter Freund. Gut, daß ich schon wach bin.
Hamburg-Heiner: Glaub bloß nicht, daß ich mich mit dir über Jetlag unterhalte.
Sven: Auf keinen Fall. Wo warst du denn die ganze Zeit?
HH: Unten in der Lobby.
Sven: Komm doch rauf! Ich mach dir einen Starbucks Decaf Fair Trade in dem kleinen Kaffeeautomaten hier, die haben hier so Kaffeeautomaten, das trinke ich immer um diese Zeit.
HH: Habe ich keine Zeit zu. Sitze hier am Bildschirm bei der Blogkontrolle.
Sven: Haben die da unten Bildschirme?
HH: Ja. 24 Stunden 17 Dollar plus Steuern. Deshalb konnte ich auch die Blogkontrolle nicht früher machen, mußte warten, bis sich das lohnt.
Sven: So steht das Ökonomische dem Zwischenmenschlichen immer und immer wieder im Wege, wird gleichsam deutlich, daß die Zwänge der maximalen Kapitalverwertung direkt proportional zur immer größer werdenden Individualisierung und damit der Vereinzelung des Individuums…
HH: Ja, ja, das kannst du alles deinem Friseur erzählen, Individualisierung des Individuums, geht’s noch tautologischer?
Sven: Kaum.
HH: Darf ich mal eine Frage stellen?
Sven: Ja.
HH: Was macht ihr hier eigentlich?
Sven: Die Platte wird gemischt.
HH: Ja, aber was heißt das?
Sven: Sag bloß, du weißt das nicht?
HH: Wenn es um mich ginge, müßte ich nicht hier unten bei der Blogkontrolle versauern.
Sven: Ich mein ja bloß…
HH: Wenn es um mich ginge, dann würdest du keinen Nashille-, sondern einen Memphis-Blog machen.
Sven: Aber Roger wohnt in Nashville.
HH: Kannst du das dann mal bitte alles erkären?
Sven: Jetzt in diesem Posting oder im nächsten?
HH: Im nächsten. Wenn es in diesem Posting wäre, müßte ich mir das jetzt alles anhören und dazu erläuternde Fragen stellen und den ganzen Scheiß, das wird mir jetzt zu viel.
Sven: Okay.
HH: Gut.
(kurzes Schweigen)
Sven: Soll ich jetzt auflegen.
HH: Ja. Aber noch eins, mein Lieber!
Sven: Was denn?
HH: Es gibt keinen fairen Handel. Ebensowenig wie unfairen Handel. Es gibt nur Handel. Entweder kommt er zustande oder nicht.
Sven: Das mußt du nicht mir erzählen, das mußt du denen von Starbucks erzählen.
HH: Was die meinen, ist Charity-Quatsch, neokolonialer Almosenrassismus, das Sitzen auf dem hohen Roß des Intrusive Carers, der für sich selbst das gute Image will und dabei nichts als Böses schafft.
Sven: Na, na, das scheint mir jetzt aber doch ein bißchen dick aufgetragen zu sein. Vielleicht ist Fair Trade ja auch bloß eine Kaffeebohnensorte, so wie Cabernet Sauvignon eine Traubensorte ist.
HH: Ja, und vielleicht ist Flowery Golden Tippy Orange Pekoe First Flush auch ein Parteiprogramm.

Und damit legte er auf. Wenn er nicht da ist, fehlt er einem. Wenn er da ist, nicht so sehr…
[photopress:IMG_0151.JPG,full,pp_image]
Die Welt, von da gesehen, wo Hamburg-Heiner gerade sitzt: Nach ihm geht’s ja nicht!