Kategorie ‘Tour 2007‘

Montag, den 5. März 2007

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Was die wenigsten wissen: In Halle steht das größte Schlüsselloch der Welt. Wehe, wenn es aufgeschlossen!
Foto: David Young

5.3. – Halle

Montag, den 5. März 2007

16.15 Uhr
Jakob verliert beim Soundcheck ein Plektrum und läßt es einfach liegen. Nimmt sich ungerührt ein neues vom Verstärker, wo der Backliner die Dinger in Zehnerstapeln aufgeschichtet hat. Ein Mann gibt sich auf. Wird Zeit, daß der Offtag kommt.

17.00 Uhr
Halle ist die zweite große Stadt in Sachsen-Anhalt. Hier wurde Händel geboren. Später ging er nach England und wurde ein Megastar. Da sollte man ruhig mal drüber nachdenken. Vielleicht morgen, am Offtag.

17.14 Uhr
Regen und Sonnenschein zugleich, die Stadt überwölbt von einem Regenbogen. Prächtig. Wird aber Zeit, daß der Offtag kommt.

17.15 Uhr
Der Tourmanager spricht ein Verbot aus, den morgigen Offtag zu erwähnen. Angedrohte Strafe: 50 Euro pro Vorfall. Dave zahlt gleich 100 Euro im voraus ein. Kluger Mann. Richard und ich entwickeln einen Code: Offtag heißt jetzt Kaninchen. Wir beginnen ein längeres Gespräch über rauhfutterverwertendes Kleinvieh.

17.18 Uhr
Mein Schuh ist offen. Wird Zeit, daß das Kaninchen kommt.

Sonntag, den 4. März 2007

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Backstage Magdeburg: Hell, sachlich, ergonomisch. Auf der Dose ist noch Pfand.
Foto: David Young

4.3. – Magdeburg

Sonntag, den 4. März 2007

15.00 Uhr
Zorn und Trauer beim Tourcatering (RGF). Der neue Guide Michelin ist da, und es sind wieder nur zwei Sterne geworden, dabei hatten O. und J. fest mit einem dritten Stern gerechnet. “Was soll man denn noch machen?” fragt O. verzweifelt und geht mit seinem größten japanischen Messer, das von der Form her mehr an ein Hackebeil erinnert, an den Wetzstein. J. bringt die Friteuse zum Rauchen. Alle halten den Kopf unten. “Aber die 20 Kochmützen im Gault Millau, das ist doch auch was!” versuche ich die Wogen zu glätten. “Und 2 Sterne im Michelin, wer hat das schon?!”, füge ich hinzu, aber es nützt nichts. J. stimmt hinter der höllisch brodelnden Friteuse leise das Lied vom Schnitter Tod an. O. wetzt weiter das Messer, es schneidet schon besser. “Wenn ich nicht bald erfahre, wer von euch der Michelin-Tester war, gibt’s nur noch Gammelfleisch-Döner”, sagt O. J.s Gesang wird lauter und bösartiger. “Ich war der vom Gault Millau”, versucht Jakob seine Haut zu retten. Der Rest schweigt und verschlingt hastig den Rest vom Risotto ai funghi porcini con tartuffo bianco, bevor der eingezogen wird. Der Trüffelhobel: verwaist. Das wird bös enden.

15.12 Uhr
Der Tourmanager hat mit der Redaktion des Guide Michelin gesprochen. Es war alles nur ein Irrtum, ein Druckfehler. Der dritte Stern: eine Selbstverständlichkeit, sagen sie. Die aktuelle Ausgabe wird zurückgezogen und eingestampft. Für 16.00 Uhr ist in Paris eine Pressekonferenz angesetzt, in deren Verlauf J. Chirac sich persönlich im Namen der französischen Nation bei der RGF und Angela Merkel entschuldigen wird. Vielleicht auch bei Max Merkel, er weiß es noch nicht genau. Im Catering werden die Hummerscheren wieder mit Gummibändern gesichert. Das war knapp!

16.00 Uhr
Magdeburg wirbt für sich mit zweierlei Bezeichnungen: Grüne Domstadt an der Elbe und Altehrwürdige Kaiserstadt an der Elbe. Doppelt genäht hält besser. Und die Sache mit der Elbe kann man auch nicht genug betonen: Zu viele Menschen denken bei Elbe immer nur an Hamburg oder Dresden, aber auch Magedeburg ist wichtig und hat im Dreißigjährigen Krieg viel leiden müssen. Im übrigen sei bemerkt, daß es sich bei allen drei vorgenannten Elbstädten um Landeshauptstädte handelt, das gibt’s an keinem anderen deutschen Fluß. Stark!

Samstag, den 3. März 2007

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Szene aus Chemnitz: Drei Verkehrs- und zwei Kommunikationswege in einem Bild.
Foto: David Young

3.3. – Chemnitz

Samstag, den 3. März 2007

0.25 Uhr
Im Cateringraum, in dem sich alle für ein letztes Heißgetränk im Stehen versammelt haben, kommt es zum Eklat: Durch eine unbedachte Bewegung, verursacht durch das Erstaunen über eine Aussage Jakob Iljas, das Universum hätte neuesten Erkenntnissen zufolge weniger die Form einer Banane, als vielmehr die einer leicht eingeschrumpelten Aubergine, fällt mir der Löffel, der gerade noch gute Dienste bei der Entsorgung eines Teebeutels der Sorte “Lord Nelson – feiner grüner Tee” geleistet hatte, von der Untertasse. Ein Klirren, dann Totenstille, dann reißen alle wie auf ein Kommando ihren jeweils freien Arm mit geballter Faust nach oben und der Ruf “Rock’n'Roll” braust vielkehlig über die silbernen Platten voller Rohkostschnitzel und leichtem japanischem Knabbergebäck. Jemand, wahrscheinlich der Backliner, wirft im Schutze der allgemeinen Erregung eine Erdnuß (sic!) mit solch jugendlichem Furor in einen Aschenbecher, daß sie durch die Wucht des Aufpralls zurückgeschleudert wird und unkontrolliert zwischen den Bänden der zur Konversationsunterstützung ausliegenden Shakespeare-Gesamtausgabe (28 Bände, zweisprachig) verschwindet. Der Tourmanager kann gerade noch rechtzeitig eingreifen und mit den ermahnenden Worten “Jungs, wir hatten doch darüber gesprochen!” und “Ist mir egal, wer das war, das fällt auf die ganze Gruppe zurück, das tut mir dann auch leid!” das Schlimmste verhüten.
Männer auf Tournee: Wehe, wenn sie losgelassen!

10.00 Uhr
Mir fällt auf, daß Göttingen als Stadt bisher unbeschrieben blieb. Mache eine kurze Umfrage, was die anderen über Göttingen wissen. Längere Beratung und Diskussion. Am Ende kann man sich auf folgende vorläufige Aussage einigen: Göttingen existiert und bildet einen tapferen Vorposten am äußersten Rand des Landes Niedersachsen. Bewohnt wird es von ungefähr drei Millionen Studenten, die aufgrund ihrer großen Zahl nur umschichtig auf die Straße dürfen: An den Tagen mit gerader Datumszahl die mit den Anfangsbuchstaben A-K, an den Tagen mit ungerader Datumszahl die mit den Anfangsbuchstaben L-Z. Durch den Umstand, daß manche Monate 31 Tage haben und dann an deren Ende zwei ungerade Tage aufeinanderfolgen, kommt es regelmäßig zu großer Verbitterung bei den Studenten mit den Buchstaben A-K, die durch die Vergabe von Mensa-Rabatten und die Veranstaltung von zweitägigen Nonstop-Indoor-Schaumparties nur teilweise gemildert werden kann.

14.00 Uhr
Chemnitz ist eine schöne kleine Stadt in Sachsen, und immer wenn wir nach Chemnitz hineinfahren, muß ich an Ekki Busch denken (dessen neue Ekki-Busch-Terzett-Platte übrigens an dieser Stelle wärmstens empfohlen sein soll). Ekki Busch erzählt gern und oft und immer wieder diesen einen Witz: “Dresden hin, Dresden her, Leipzig gleich, Chemnitz ooch nischt.” Ich, das sei hier zugegeben, habe Jahre gebraucht, um diesen Witz zu verstehen. Umso größer dann die Freude. Danke Ekki!

16.00 Uhr
Die Bühne im Südbahnhof, Chemnitz, ist auf der Vorderseite mit einem Tarnnetz verkleidet. Das ist eine gute Idee, da fällt sie nicht so auf!

Freitag, den 2. März 2007

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Szene aus Göttingen: Hier wurde “Herr der Ringe” gedreht.
Foto: David Young

2.3. – Göttingen

Freitag, den 2. März 2007

10.00 Uhr
Im Hotel in Düsseldorf tragen die Zimmer die Namen berühmter Gäste, die dort schon einmal übernachtet haben. Dazu gibt es ein riesiges, gerahmtes Foto des entsprechenden Celebrity-Giganten über dem Bett. Hier die Zuordnung, die sicher nicht zufällig vorgenommen wurde:

Richard Pappik: Georgette Dee
David Young: Paul Kuhn
Jakob Ilja: Katja Riemann (oder Ebstein, er kann sich kaum erinnern)
Ed Csupkay: Götz Alsmann
Malcolm Arison: Marla Glenn
Tourmanager: Hannes Wader

Und bei mir? Nix. Gar nix. Fehlanzeige, mit Zitronen gehandelt, am Arsch die Räuber, das einzige Zimmer ohne Namen. Dabei wären Tim Fischer oder Dominique Horwitz noch zu haben gewesen, da hätte man gerne mal übernachtet, obwohl Ed sagt, ich wäre mehr so der Mario-Adorf-Typ, auch das eine Aussage, von der man nicht genau weiß, wie sie eigentlich gemeint ist. Wie ja die anderen die Sache auch tatsächlich als prestigerelevantes Zeichen zu nehmen scheinen. Sie rufen im Bus ihre ihnen zugeordneten Namen immer wieder in die Runde, wie sonst nur Kinder die Marken- und Modellnamen beim Autoquartett, in kindlichem Ernst und juveniler Spielfreude sich gegenseitig übertrumpfend, die für ihre Unterhaltungstitanen sprechenden Vorteile herausputzend, als gelte es, irgendeinen Wanderpokal zu gewinnen, von dessen Existenz mir keiner was gesagt hat. Da sehe ich jetzt natürlich alt aus. Ich versuche eine Zeitlang so zu tun, als hätte ich geschwindelt und in Wirklichkeit im Helge-Schneider-Zimmer übernachtet, was mich gleich ziemlich nach vorne gebracht hätte, aber sie glauben mir nicht, sondern lachen mich nur aus. Warum glauben sie mir nicht? Woher wissen sie, daß ich lüge? Immerhin war ich ganz oben untergebracht, unterm Dach, wo sie nie hinkamen. Die Antwort ist klar: Das ist alles ihr Werk. Wahrscheinlich hatte ich sogar Günther Strack, und sie haben es abmontiert. Die ultimative Demütigung. Alles in mir schreit nach Rache.

10.30 Uhr
Sieht so aus, als ob Dave mit Paul Kuhn langsam die Oberhand gewinnt, die anderen sind schon ganz kleinlaut.

10.31 Uhr
Überraschungserfolg von Ed Csupkay / Götz Alsmann: 12 Klavierpunkte gegen 10 bei Paul Kuhn.

10.32 Uhr
Young/Kuhn gewinnen knapp das Stechen gegen Csupkay/Alsmann: Den Ausschlag gab am Ende die Kategorie Frisur. Rauschende Siegesparty, Bier, Wein, Kräuterschnäpse. Alle schietendick. Hoffentlich legen sie sich vor dem Gig heute abend noch mal hin, sonst kommt’s auf der Bühne noch zur Gärschwallverklappung! Schlimm!

Donnerstag, den 1. März 2007

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Ein Restaurant in Wiesbaden. Hier wird Großes geleistet.

1.3. – Düsseldorf

Donnerstag, den 1. März 2007

10.00 Uhr
Das Hotel Zwangsneurose am Park in Wiesbaden (Name geändert) ist ein Design-Hotel der besonderen Art, insofern es speziell auf die Wellness-Bedürfnisse andersfühlender Menschen (Paranoiker, Manisch-Depressive, Claustrophobiker, Masochisten) zugeschnitten wurde. Hier kommt keiner unbehandelt raus. Wir schon gar nicht. Ein Festival der seelischen Schienbeintritte, ein Feuerwerk der Zumutungen, ein hyperaktiver Reigen der Unverschämtheiten am Morgen, am Mittag und am Abend. Nachts entspannt man sich beim harmonischen Rauschen und Plätschern der Abwasserrohre. Faszinierend.

15.00 Uhr
Düsseldorf: Schicksalstadt der Band Element of Crime, soviel kann man wohl sagen. Hier nahmen wir unsere erste Platte auf, für das Düsseldorfer Ata-Tak-Label, im Düsseldorfer Ata-Tak-Studio in Düsseldorf-Gerresheim. Legendär unser gelungener Versuch 1985, in Düsseldorf durchzumachen; denn am Ende hatte nur noch Charlies Kneipe auf, betrieben von einem Ex-Boxer, in der dann alle Geschlagenen, Enterbten und Entrechteten von Düsseldorf beieinander hockten, bis Charlie gegen 6 Uhr mit einem nassen Lappen herumging und den Schlafenden damit sanft und liebevoll übers Gesicht wischte. Von dort konnte man dann in eine Kneipe an einer S-Bahn-Station gehen, die um 6 Uhr aufmachte und man hatte es geschafft. Überschätzt in Düsseldorf: Der Ratinger Hof. Was sollte man denn 1985 von einer Punkrock-Kneipe halten, die um 1 Uhr die Leute mit den Worten “Sperrstunde, ihr müßt jetzt alle raus” auf die Straße schickt? Dann lieber Charlie und sein nasser Lappen, ihr toten Hosen.

17.00 Uhr
David Young schenkt mir für diesen Blog ein schönes Gastro-Informationsbild aus Wiesbaden. Die Fronten weichen auf, möchte man meinen!