Versuch über den Jetlag mit Abschweifung ins Dies und Das unter besonderer Berücksichtigung des Umstandes, daß letzteres beim Schreiben dieser Überschrift noch gar nicht feststeht (aleatorisches Bloggen)

Dienstag, 1.20 Uhr
Das Problem beim Reden und mehr noch beim Schreiben über den Jetlag ist ja nicht nur, daß es kein deutsches Wort dafür gibt, ein Umstand, der dem über den Jetlag Redenden sogleich die Aura des mit polyglottem Herrenreitertum protzenden Vollidioten gibt, der ein nur einer kleinen, privilegierten Minderheit entstehendes, absolutes Luxusproblem unter Umgehung aller Regeln hanseatischer Zurückhaltung in die virtuelle Luft des Internets pustet und damit nur enthüllt, daß er ein wichtigtuerischer Knallkopf ist, der auch bereit wäre, vor Hungernden über die Probleme des Vollegefühls und vor Dürstenden über die Probleme beim San-Pellegrino-Bestellen („ist manchmal zu warm, manchmal zu kalt“) zu referieren. Immer mal vorausgesetzt, man hält das Reisen an sich für etwas Erstrebenswertes, was ja die meisten Leute komischerweise tun.
Das ist es nicht nur. Aber auch. Dinge, für die es kein richtiges deutsches Wort gibt (Sprezzatura, Groove, je ne sais pas quoi) haben in einem deutschsprachigen Blog (Internettagebuch) nichts zu suchen. Das gilt nicht für sog. Fremdwörter, denn die sind auch deutsche Wörter. Das gilt auch nicht für fremdsprachige Wörter, sofern es dafür irgendwie ein deutsches Wort geben könnte. Das gilt nur für Wörter, die man auf auslandserfahrungsinsiderhafte Weise erklären müßte, was immer und überall den Erklärenden sogleich und für alle Zeiten zum Arsch mit Ohren macht.
Was auch noch ein Problem beim Reden über den Jetlag ist, ist die ungeheure Langeweile, die einen sogleich auf das Lähmendste überfällt, wenn davon die Rede ist. Ja, ja, da ist man aufgewacht, denn für den Körper ist es eigentlich schon acht Uhr morgens, aber hier in XYZ eben erst ein Uhr nachts, ja, und was soll man denn jetzt machen, wie wiegt man sich zurück in den Schlaf, schnarch, schnarch, schon der Gedanke daran birgt die Lösung des Problems. Und wenn das nicht hilft: Französische Strukturalisten lesen. Oder diesen Text hier!
[photopress:IMG_0164.JPG,full,pp_image]
Sprezzatura: So sieht sie aus!

Kommentarfunktion ist deaktiviert