Was macht ihr hier eigentlich?

Donnerstag, 2.25
Das Telefon klingelt. Gut, daß ich schon wach bin. Es ist Hamburg-Heiner.
Sven: Hamburg, alter Freund. Gut, daß ich schon wach bin.
Hamburg-Heiner: Glaub bloß nicht, daß ich mich mit dir über Jetlag unterhalte.
Sven: Auf keinen Fall. Wo warst du denn die ganze Zeit?
HH: Unten in der Lobby.
Sven: Komm doch rauf! Ich mach dir einen Starbucks Decaf Fair Trade in dem kleinen Kaffeeautomaten hier, die haben hier so Kaffeeautomaten, das trinke ich immer um diese Zeit.
HH: Habe ich keine Zeit zu. Sitze hier am Bildschirm bei der Blogkontrolle.
Sven: Haben die da unten Bildschirme?
HH: Ja. 24 Stunden 17 Dollar plus Steuern. Deshalb konnte ich auch die Blogkontrolle nicht früher machen, mußte warten, bis sich das lohnt.
Sven: So steht das Ökonomische dem Zwischenmenschlichen immer und immer wieder im Wege, wird gleichsam deutlich, daß die Zwänge der maximalen Kapitalverwertung direkt proportional zur immer größer werdenden Individualisierung und damit der Vereinzelung des Individuums…
HH: Ja, ja, das kannst du alles deinem Friseur erzählen, Individualisierung des Individuums, geht’s noch tautologischer?
Sven: Kaum.
HH: Darf ich mal eine Frage stellen?
Sven: Ja.
HH: Was macht ihr hier eigentlich?
Sven: Die Platte wird gemischt.
HH: Ja, aber was heißt das?
Sven: Sag bloß, du weißt das nicht?
HH: Wenn es um mich ginge, müßte ich nicht hier unten bei der Blogkontrolle versauern.
Sven: Ich mein ja bloß…
HH: Wenn es um mich ginge, dann würdest du keinen Nashille-, sondern einen Memphis-Blog machen.
Sven: Aber Roger wohnt in Nashville.
HH: Kannst du das dann mal bitte alles erkären?
Sven: Jetzt in diesem Posting oder im nächsten?
HH: Im nächsten. Wenn es in diesem Posting wäre, müßte ich mir das jetzt alles anhören und dazu erläuternde Fragen stellen und den ganzen Scheiß, das wird mir jetzt zu viel.
Sven: Okay.
HH: Gut.
(kurzes Schweigen)
Sven: Soll ich jetzt auflegen.
HH: Ja. Aber noch eins, mein Lieber!
Sven: Was denn?
HH: Es gibt keinen fairen Handel. Ebensowenig wie unfairen Handel. Es gibt nur Handel. Entweder kommt er zustande oder nicht.
Sven: Das mußt du nicht mir erzählen, das mußt du denen von Starbucks erzählen.
HH: Was die meinen, ist Charity-Quatsch, neokolonialer Almosenrassismus, das Sitzen auf dem hohen Roß des Intrusive Carers, der für sich selbst das gute Image will und dabei nichts als Böses schafft.
Sven: Na, na, das scheint mir jetzt aber doch ein bißchen dick aufgetragen zu sein. Vielleicht ist Fair Trade ja auch bloß eine Kaffeebohnensorte, so wie Cabernet Sauvignon eine Traubensorte ist.
HH: Ja, und vielleicht ist Flowery Golden Tippy Orange Pekoe First Flush auch ein Parteiprogramm.

Und damit legte er auf. Wenn er nicht da ist, fehlt er einem. Wenn er da ist, nicht so sehr…
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Die Welt, von da gesehen, wo Hamburg-Heiner gerade sitzt: Nach ihm geht’s ja nicht!

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