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Das längste
Interview der Welt
Marc fragt: Nachdem ich es versäumt hatte, Karten für das Salzburg-Konzert zu
kaufen, blieb mir nur das FM4-Interview, das fast schon peinlich war, wie ich
finde, denn die Moderatorin war schlecht informiert und hat mindestens 50mal
"Element of Crime" gesagt (also pro Satz 2mal). Mich würde interessieren, wie
Herr Regener das Interview und den Österreich-Aufenthalt empfunden hat und
wann ihr wieder nach Österreich kommt.
EOC:
Herr Regener bewertet keine Interviews, wenn man ihn dazu einlädt und er
annimmt, fühlt er sich willkommen. Dasselbe gilt natürlich auch für Länder.
Wann EOC wieder nach Österreich kommen, weiß noch niemand..

Isi fragt: Wann hat sich Sven eigentlich diesen eigenartigen Blick (linkes
Auge zugekniffen, rechtes Auge halboffen) angewöhnt? Oder sind da nur die
Lichter auf der Bühne schuld? Müsste man dem armen Kerl dann nicht helfen?
EOC:
Dem kann keiner helfen. Tatsächlich handelt es sich dabei um ein langsames Zwinkern,
so langsam, daß sich das zwinkernde linke Auge erst am Ende des Konzertes wieder
öffnet.

Sarah fragt: War euer Konzert damals in der Zeche Bochum wirklich so schlimm? Dann hoffe ich, das letzte am selben Ort hat euch halbwegs entschädigt... Ich
persönlich fand es jedenfalls genial...
EOC:
Haben wir geklagt? Ein Ressentiment gegen die Zeche Bochum
durchschimmern lassen? Eine unbedachte Bemerkung gemacht, einen schalen Witz?
Schon vergessen. Wie sollten wir uns dann an das Konzert in Bochum von 1987
erinnert haben können? Das muß ein Mißverständnis sein. Tut uns leid, Bernd,
wir haben's nicht so gemeint. Und schön war's allemal.

Beke fragt: Wie ist die "Zusammenarbeit" - wenn man es so nennen kann - mit
Patent Ochsner entstanden? Und sind weitere gemeinsame Projekte geplant?
EOC:
Es war nicht eigentlich eine Zusammenarbeit. Patent Ochsner, eine Band
aus Bern, Schweiz, hatte die Idee, Weißes Papier als "Wysses Papier" auf
schweizerdeutsch bzw. bernerdeutsch zu covern. Auf dem Tollwood-Festival in
München vor einigen Jahren kam es dann zu einer Begegnung und einem
gemeinsamen Vortrag. Mehr war bis jetzt nicht.

Philipp fragt: Woran liegt's eigentlich, dass die Alben-Veröffentlichungen
seit einigen Jahren so lange dauern? Wird man älter oder liegt es an der
Quantität des Tourens?
EOC:
An beidem. Und dann kommt die Faulheit noch dazu. Und die ganze
Geschichte, die man mit sich herumschleppt. Und die vielen Erwartungen von
außen, die man verdrängen muß. Da kommt schon einiges zusammen.

Clarissa fragt: Hallo! Wie kommt es eigentlich, dass ihr Euch bei der
Gestaltung zu dem Romantik-Cover so wenig Mühe gegeben habt? Ich meine das
Vögelchen ist ja ganz hübsch, aber das Foto vorne drauf ist ... na ja - nicht
so schön...
EOC:
Das könnte an den Leuten liegen, die da fotografiert wurden...
Vielleicht hätte man Vögel auch aufs Sofa setzen sollen.

Sabrina fragt: Also erst mal hallo,wer auch immer dort so tapfer die ganzen
Fragen beantwortet. Mich würde mal interessieren wie Ihr dazu steht, dass
Eure Zuhörer immer versuchen einen tieferen Sinn in den Texten zu finden und
sie sofort auswalzen, nervt das manchmal auch in Interviews immer analytische
Fragen gestellt zu bekommen(Presseinterviews)? Und ist es ein anderes Gefühl
in Berlin zu spielen als in einer anderen Stadt? Das Konzert in eben jener
Stadt war klasse und ich fand es super, dass Ihr so lange gespielt habt ohne
viel Gequatsche.
EOC:
Nun, was die Texte und das Auswalzen betrifft: jeder, wie er will, da
darf man nicht kleinlich sein, wenn man Songs schreibt und veröffentlicht.
Und was nervige Interviewfragen betrifft: Man kann sich ja wehren bzw. muß ja
nicht alles beantworten, wenngleich man sich damit Feinde macht, wie man auf
diesen Seiten auch beobachten kann. Und was Konzerte in Berlin betrifft: ja,
es ist etwas Besonderes, denn dort fing alles an, und dort sieht man am
besten, wie weit man gekommen ist.

Fabian + Moritz fragen: Liebe Elements, geht es in "Damals hinterm Mond"
eigentlich um das Leben in der DDR oder allgemein um das Leben in einer
eigenen Welt, Phantasie usw.? Oder gar um etwas ganz anderes?? Ich hoffe, Ihr
findet solche Fragen nicht zu doof, aber abgesehen davon, daß es ein
wunderbares Lied auf einer wunderbaren Platte ist, könntet Ihr mit Eurer
Antwort eine langjährige Diskussion zwischen zwei Elements-Verehrern
beenden... also, kommt Zeit, kommt Rat, kommt Fusselbart(?)!
EOC:
Es wäre sicher etwas vermessen, wenn eine Truppe Westler glaubten, sie
könnten etwas gültiges über das Leben in der DDR schreiben oder geschrieben
haben. Wenn es aber so rüberkommt, ist das natürlich auch recht. Und dann
stellt sich die Frage: Sollte man sie wirklich beenden, diese langjährige
Diskussion? Hat man ein Recht dazu? Nein, hat man nicht.

Andreas fragt: Gibt es für Sven Regener eine tiefere Bedeutung, daß er den
(wundervollen) Song "Warte auf Mich", den er bereits mit Das Holz aufgenommen
hat, nochmals mit "seiner" Band recorded hat?!
EOC:
Nein, keine tiefere Bedeutung, nur tiefe Dankbarkeit, daß die anderen
dazu bereit waren, denn die anderen, sie sind nicht sein.

Timo Siegle fragt: Irgendwann, schon länger her, bin ich auf die Geschichte
gestoßen, dass so ein Germanistikstudent seine Abschlussarbeit über die Texte
von EOC geschrieben hat. Ist das tatsächlich wahr?
EOC:
Es gibt eine Magisterarbeit von Detlev Kinsler, deren Titel wir gerade
nicht zur Hand haben, in der er sich mit deutschen Rockmusik-Texten
auseinandersetzt, und dort finden neben anderen Künstlern auch Element of
Crime Beachtung.

marux fragt: meine frage betrifft das verhältnis von "EoC" und ihrer
plattenfirma bzw. ihrem produzenten. gab es da jemals auseinandersetzungen in
sachen "verkäuflichkeit" der musik oder der texte, bzw. wurde der band jemals
ans herz gelegt, etwas zu tun oder zu lassen, um ein breiteres publikum zu
erreichen?
EOC:
Ja, es gab immer schon Auseinandersetzungen zu diesem Thema. Es ist ja
auch Aufgabe des Produzenten, den Vermittler zwischen den Musikern einerseits
und der Plattenfirma und auch dem unbekannten Hörer andererseits zu spielen.
Und natürlich gibt es solche Auseinandersetzungen auch innerhalb der Band. Es
wäre Quatsch, das leugnen zu wollen. Das Problem (oder auch das Gute) ist
bloß: Das "breitere Publikum" ist ein unbekanntes Wesen, und da solche
Debatten immer spekulativ sind, muß man sich am Ende so oder so an das
einzige halten, was man hat: Die eigenen Vorlieben. Und damit hat man auch
schon genug zu tun.

Peter fragt:
hallo ihr! das konzert am 9.1 in HH war sehr beeindruckend! ich würde gern wissen, ob der
regener plant noch ein weiteres buch zu schreiben. Herr Lehmann ist schon jetzt ein Klassiker der deutschen Literatur.
EOC:
Lieber Peter, Sven Regener weiß es noch nicht. Er sagt, erst braucht er eine gute,
ausgereifte Idee. Diesen Standpunkt sollte man ihm gönnen. Schöne Grüße, i. A. Martin Achterdiek

daniel najock fragt: ich würde gerne wissen, warum auf euren konzerten das
akkordeon fehlt? wenn's keiner von euch spielen will kann man das doch einem
gastmusiker überlassen. oder wollt ihr keine gastmusiker mit auf tour nehmen,
oder ist das eine gewollte interpretation eurer alben, oder...?
EOC:
Auf den Tourneen der Jahre 1993, 94 , und 96 hatten wir Ekki Busch als
Akkordeonisten dabei. Nachdem er nicht mehr weitermachen wollte, weil er das
Ekki-Busch-Terzett gegründet hatte und sich darauf konzentrieren wollte,
haben wir damit abgeschlossen. Das Akkordeon spielte auch auf unseren letzten
drei Langspielplatten keine so große Rolle mehr.

Janet fragt: Beim Lesen des Interviews drängt sich die Frage auf, in welcher
Beziehung der/die Beantworter(in) zur Band steht und ob die Antwort manchmal
auch mit der Band abgestimmt wird.
EOC:
Die Fragen werden von Sven Regener beantwortet. Und er hofft, daß er es
in aller Sinne tut, wie so oft bei Interviews.

Matthias Binner fragt: Wie kamt Ihr eigentlich auf Orm Finnendahl, der die
(grandiosen) Streicherarrangements für die (grandiosen) ersten deutschen
Platten gemacht hat? Und: Warum habt Ihr ihn für die Stücke mit den
Babelsbergern nicht wieder herangezogen?
EOC:
Orm Finnendahl ist ein sehr renommierter Komponist für Neue Musik und
ein uralter Bekannter von Sven Regener. Letzterer wollte bei der "Romantik"
allerdings selber ran.

Peter Lorscheid fragt: Liebe EOCs! Auf zwei eurer deutschsprachigen Platten
sind am Ende - wie ich finde - sehr schöne Instrumentalstücke zu finden.
Leider auf den letzten Platten nicht mehr. Warum seid ihr davon abgekommen -
oder ist das bloß Zufall? Habt ihr vor, in Zukunft wieder etwas
Instrumentales zu veröffentlichen?
EOC:
Das ist wirklich bloß Zufall. Manchmal geht da was, manchmal nicht.

Caschi fragt: Mich würde mal interessieren, warum Ihr an AN EINEM SONNTAG IM
APRIL bei Euren Konzerten seit Jahren komplett ignoriert. Ist kein Song
darunter, der eine Live-Version 2002 verdient hätte? Gibt es hier
ausnahmsweise eine gemeinsame Bandmeinung?
EOC:
Ja, wir entscheiden über die Programme gemeinsam. Und uns ist das
natürlich auch schon aufgefallen. Einige Songs dieser Platte sind schwierig
zu spielen, und sie drängeln sich nicht unbedingt vor. Was nicht gegen sie
spricht, aber so ist es nun mal. Allerdings haben wir in den letzten Jahren
des öfteren "An Land" gespielt. Immerhin.

Gareth Loveday fragt: Hallo Element of Crime, die meisten Fragen werden ja
gar nicht weiter beantwortet. Es hagelt statt dessen Antworten wie "Zu
privat", "Zu kompliziert", "Zu zu" oder auch "Zu lange her". Wieso hängt ihr
nicht gleich ein Schild an die Tür: "Alles, was wir zu sagen haben, steht in
unseren Texten. Möge sich jeder etwas daraus schnitzen und abends bewundern."
Jawohl, that how you really should do it. I am off to the beach. PS: Bitte
beantwortet meine Frage, die natürlich eher ein Feststellungsgemaule ist, mit
einen gemuffelten "Wenn 'Se meinen, dann mein' se mal."
EOC (gemuffelt):
Wenn 'Se meinen, dann mein' se mal. P.S.: Eine kleine Frage
aber noch: An welchen Beach geht man denn jetzt so im Februar?

Uta fragt: Hi! Ich habe mir kürzlich eine "Keimzeit" - CD gekauft. Und habe
festgestellt, dass David Young, der ja auch etwas mit euch (EOC) zu tun hat,
da auch mitgemischt hat. Nun meine eigentliche Frage ist: Habt ihr je von
Keimzeit gehört? Wenn ja: Wie findet Ihr die?
EOC:
Ja, wir kennen Keimzeit, und haben die Jungs damals durch David Young
auch persönlich kennengelernt. Und das sind sehr nette Leute.

sebastian fragt: hallo! ich habe in einem new-ME-interview gelesen, dass ihr live-mitschnitte hasst,
begruendet mit der etwas vagen argumentation von kuenstlerischer unperfektion
und nur maeßig aufkommender stimmung in diesen. ich kann das nicht ganz
nachvollziehen. in live-konzerten werden altbekannte songs bisweilen radikal
neuinterpretiert, in einem neuen licht betrachtet, echte raritaeten bilden
sich heraus und wenn sven mit einem bayerischen gastsaenger "weisses papier"
singt, dann ist das einfach mal goettlich. warum also nicht auf tontraeger
bannen und dem wiederholten genuss bereitstellen? hinzu kommt, dass die
aufnahmetechniken gegenueber den 80ern echte quantenspruenge gemacht haben,
so dass das flair nicht zwangslaeufig verloren geht. warum also nicht mal
eine live-retrospektive? eine bereicherung waere es allemal.
EOC:
Okay, noch einmal, und das dann für immer: Das Flair, wie du es nennst,
hat nichts mit Aufnahmetechniken zu tun, die auch nicht wirklich besser
wurden, höchstens billiger. Das Flair eines Live-Konzerts besteht unter
anderem darin, daß hunderte oder tausende von Leuten zu einem bestimmten
Augenblick an einem bestimmten Ort versammelt sind, um live eine Band zu
erleben. Und das läßt sich nicht auf Platte bannen. Man könnte sicher hübsche
Aufnahmen so machen, aber mit dem Live-Konzert als Ganzem hat das nichts zu
tun. Nichts gegen Fotos von einer Party, aber sind sie ein Ersatz dafür?
Nichts gegen das Lesen von Kochbüchern, aber ersetzt das die Mahlzeit? So wie
ein Live-Konzert ist, so ist es nur in diesem einen Moment, und der kommt
nicht wieder, er läßt sich nicht festhalten. Ist es nicht auch in Ordnung,
davon dann einfach mal die Finger zu lassen? Muß denn alles noch einmal
recycelt und als Abklatsch in den Handel gehen? Nein, muß es nicht.

Leonardo fragt: Liebe Elements, ich liebe euch schon lange, seit ich euch aus
dem "Salon Helga" kenne - seit weißes Papier. auch das tolle Buch hat es mir
angetan. Da stellen sich mir spontan zwei Fragen: kennt ihr besagten Salon
und wißt ihr, was der für euch an Weg geebnet hat (man denke nur an "die
Einsamen schlagen zurück")? und zweitens kennt Sven die famosen
Kayankaya-Romane von Jakob Arjouni? (mir zumindest hat sich der Eindruck
einer gewissen Seelenverwandtschaft zu Herrn Lehmann aufgedrängt - oder war
das doch nur der Alkohol? Diese letzte Frage verlangt nach keiner Antwort)
EOC:
Leider zweimal nein. Wir werden uns bemühen, das zu ändern!

Wasserfellchen fragt: Über dreissig seid Ihr ja wohl alle (oder ist das auch
eine zu private Frage)? Versteht Ihr eigentlich, wie sehr alle, die Euch
hören, privatest berührt sind und dass ein grosser Teil Eures Erfolges darauf
beruht? Ich meine dies nicht ablehnend, aber es ist doch u.a. das tiefe
Mitgefühl mit allen Loosern und unglücklich Verliebten, wegen dem Ihr so
geliebt werdet und warum sich Menschen auch für Euch privat interessieren.
Ihr seid nun mal keine Fernsehreparateure. Falls rauskommt was ich meine: wir
MÖCHTEN wissen, wie es Euch wirklich geht und ob man Euch auch leibhaftig bei
einem Bier in Berlin noch treffen kann. ICH würde das gerne mal.
EOC:
Nein, das ist keinesfalls eine zu private Frage, vielmehr eine
berechtigte und sehr freundlich formulierte. Denn tatsächlich sind wir nicht
nur alle über dreißig, sondern fast alle auch schon über vierzig. Was alles
andere betrifft: Ja, natürlich verstehen wir, daß das, was wir machen, auch
dazu führen kann, daß man sich für unsere privaten Seiten interessiert. Aber
man sollte auch umgekehrt verstehen können, daß wir diese private Seite eben
auch deshalb schützen müssen. Denn sonst geht irgendwann gar nichts mehr.

Michaela fragt: Ich würde gerne etwas über den Hintergrund/die Person hinter
dem Song "Michaela sagt" erfahren. Falls es eine Geschichte gibt...
EOC:
Da ist nicht viel, das ist alles bloß ausgedacht.

Tommi und Annika fragen: Hallo Sven, nur kurz ne Frage, die uns schon lange
beschäftigt: "Die 15 Mann auf des toten Manns Kiste" - magst du Pippi
Langstrumpf?
EOC:
Schwer zu sagen, lange nicht mehr gelesen, wahrscheinlich. Auf jeden
Fall aber Robert Louis Stevenson, denn da kommt das her...

Lutz Kaden fragt: Lieber Herr Regner, wie kommt Ihr darauf, dass "U-Bahn" von
Untergrund kommt? Es steht doch für Unabhängige Bahn. Damit ist Euer Song
"Alle 4 Minuten" ganz anders zu verstehen, oder?
EOC:
Ist uns neu. Und wenn es so wäre: Ist deshalb der Song wirklich ganz
anders zu verstehen? Wir denken: Nein. Falls es da etwas zu verstehen gibt.

Gabi Riemer fragt: längstes Interview der Welt?? wie? wo? was?
EOC:
Seufz, stöhn, ächz, na gut: So! Hier! Na was schon...

Mike fragt: Hallo alle zusammen. Wer ist die tragische Berühmhteit in dem
Neuen Song:"gelohnt hat es sich nicht", Wolfgang Niedecken, Joschka F., Bob
Dylan, Philippe Djian, Harald Juhnke, Daniel Cohn Bendit, Frank Sinatra, oder
zur Jahreszeit passend blasphemisch das Christkind.Wie gross war die
Enttäuschung wirklich wenn dein Idol sich in menschliches Wohlnichtgefallen
auflöst. Gruss bis im März in Kaiserslautern, MMK
EOC:
Tja, Mike, wenn man das wüßte. Soviel ist aber sicher: Das Christkind
war's nicht, und Wolfgang Niedecken auch nicht.

Alex fragt: Eine Frage an den Autor von "Im vorigen Jahr" und "Herr Lehmann":
Was genau ist eigentlich ein Mehrzweckbecken?
EOC:
Das Mehrzweckbecken in Freibädern ist sowohl für Schwimmer wie auch
Nichtschwimmer geeignet, der Nichtschwimmerbereich ist dann im allgemeinen
durch ein Seil abgetrennt. So ist es jedenfalls im Prinzenbad in Berlin
Kreuzberg und so gehört es sich auch.

Noemi Schneider fragt: Meine Frage ist folgende,und ich hoffe nicht, da ich
mich jetzt vor versammelter Mannschaft blamiere, doch soweit ich Eure Alben
kenne scheint es nicht Eure Intention zu sein, politische Musik, im Sinne von
den Goldenen Zitronen oder Ton Steine Scherben zu machen, 1. ist das richtig?
2. hattet ihr es mal vor bzw. wäre Euch das ein Anliegen? und 3. seid ihr in
irgendeiner Richtung politisch aktiv?
EOC:
Ja, es ist richtig, daß wir nicht politische Musik im Sinne der Goldenen
Zitronen oder Ton Steine Scherben machen wollen. Und es war uns auch nie ein
Anliegen. Der ganze Agitprop-Ansatz liegt uns nicht. In der Politik ist Reden
und Schreiben allemal besser als Singen. Und wenn wir politisch aktiv sind,
dann nicht als Mitglieder von Element of Crime. Manchmal ist es besser, die
Dinge sauber zu trennen, als alles miteinander zu verquirlen.

Totti fragt: Hi, nach der Lektüre dieses Interviews weiss ich immer noch
nicht, ab dem wievielten Konzert man keine Lust mehr hat und weder die
eigenen Songs noch die Band hören und sehen kann und durch immergleiche
Rituale den Abend hinter sich bringt? Wie oft quält ihr euch auf die Bühne
und seit dann "professionell"? Gilt im übrigen nicht nur für EOC sondern für
gesamte Branche. Wann geht Kunst, Spass an der Sache und Individualität vor
die Hunde und welche Rolle spielen dabei Profit und finanzielle Zwänge, von
wem auch immer? Belügt man sich ab einem gewissen Zeitpunkt selbst oder
spielt man das Spiel bewusst mit oder ...? Vorerst genug fragen, wo sind die
Antworten? Euer Totti
EOC:
Wir haben nicht den Hauch einer Ahnung.

Mauricius fragt: Welche Drogen nimmt Sven eigentlich genau? Der sieht immer
so ungesund aus.
EOC:
Er hat lange experimentiert, um diesen Effekt zu erreichen. Sagt er. Und
murmelt etwas von Bier und schlechter Laune. Mehr ist nicht herauszubekommen.

Heiko Jungnitz fragt: Liebe Elements, ich würde gern wissen, ob es zum neuen
Album auch mal wieder eine offizielle Single gibt? und, warum es beim letzten
Album keine gab, sondern nur zwei Radiosingles?
EOC:
Nein, im Handel gibt es keine Single zu kaufen. Das liegt vor allem
daran, daß wir keine Hitsingles haben und auch nicht dafür gebaut zu sein
glauben. Warum sollen wir den Leuten für ihr gutes Geld Singles andrehen,
wenn sie dasselbe auch auf dem Album finden können? Singles ergeben nur einen
Sinn für a) das Radio und b) für Leute, die nur das eine Lied wollen und
sonst nichts. Bei uns bringt das nichts.

Daniel A. Lange fragt: Was halten Element of Crime von den Smiths bzw.
Morrissey?
EOC:
Lieber Daniel, ist dir eigentlich klar, was die Beantwortung dieser
Frage an neuen, ähnlich gestrickten Fragen nach sich ziehen könnte? Ansonsten
sind wir natürlich dafür.

Patricia Hoffmann fragt: Hallo zusammen, tja mich beschäftigt eigentlich zur
Zeit die Frage wann das Konzert im Jugendzentum in Bielefeld/Jöllenbeck war?
Ihr hatte glaube ich alle Mäntel an und es war lausig kalt.Oder so....!
Ansonsten noch einen Glückwunsch an den Autor des Buchs "Herrn Lehmann". Die
Wahrnehmung der Welt gefällt mir sehr...! Patricia
EOC:
Das war im Frühjahr 1987. Schlimmer als die Kälte, an die sich keiner
mehr richtig erinnern kann, war die Tatsache, daß es draußen noch hell war,
als wir anfingen, und am Fenster hinter dem Schlagzeuger mitten im Konzert
eine Kuh auftauchte. Aber das ist dann ja auch wieder eine schöne Geschichte
zum Erzählen, 14 Jahre später, wenn man im Warmen sitzt... Ansonsten: Der
Autor des Buches dankt recht schön.

Michaela fragt: Hallihallo, ich bin Michaela, und wie solls anders sein
interessiere ich mich dafür, wie der gleichnamige Titel entstanden ist. Wie
kommt man gerade auf diesen Namen? So häufig ist er ja nicht. Mit was habt
ihr Michaela assoziert, daß ihr daraus eine gewisse Zielgruppe macht?
Vielleicht ist er auch wahllos entstanden? Ich war jedenfalls überrascht, daß
ich in dem Song viele meiner persönlichen Eigenschaften und
Lebensenstellungen wiedergefunden habe. Liegt das daran, daß ich in Berlin
wohne oder sind nomen doch omen? Mich interessiert jedenfalls die Geschichte
dieses Liedes und ich würd mich freuen, wenn ihr mich nicht unwissend sterben
laßt. Ich danke euch schon mal alles liebe euch. Michaela
EOC:
Nun, als solche, die kollektiven Identitäten gewissermaßen von Haus aus
mißtrauen, werden wir einen Teufel tun und alle Michaelas über einen Kamm
scheren. Sven behauptet jedenfalls, er wäre auf die Idee zu diesem Lied in
einem Biergarten in München gekommen, aufgrund einer Unterhaltung über eine Mi
chaela. Mehr ist aus ihm partout nicht herauszubekommen. Wahrscheinlich alles
gelogen, aber was soll's...

Jens fragt: Hallo liebe elements! Mich würde doch mal brennend interessieren,
wie ihr zu anderen deutschen Bands steht. Vor allem Blumfeld haben es mir
sehr angetan. Kennt ihr vielleicht Jochen Distelmeyer persönlich? Wie gefällt
Euch deren Musik und vor allem die Texte? Wie sieht es mit anderen
deutschsprachigen Künstlern aus? Die Gruppe Fink hört sich so an, als hätten
sie euch als Vorbild (?). Freue mich auf eine Antwort. Liebe Grüsse aus
Bremen,Jens
EOC:
Wir halten uns da raus. Fink waren allerdings Vorgruppe bei uns und das
war sehr schön, soviel kann man auf jeden Fall sagen, und man kann sie auch
wärmstens empfehlen, da sind sich bei uns alle einig. Vorbild sollten wir
ihnen aber besser nicht sein, da gibt es sicher Geeignetere. Zu allem anderen
gilt für uns wie für jede gescheite Rockgruppe: Vier Leute, fünf Meinungen.

Ralf fragt: Hallo EOC, manchmal höre ich eurer Musik gerne nur zu, aber dann
und wann habe ich das Verlangen, ein Stück am Klavier nachzuspielen. Leider
muß ich dazu Melodie, Begleitung und Aufbau mühsam heraushören und kann erst
dann loslegen. Dann habe ich aber meistens keine Lust mehr, noch länger
Klavier zu spielen. Darum meine Frage: Könnt ihr nicht mal ein Songbook von
einigen eurer Songs zusammenstellen? Ich wäre auf jeden Fall ein treuer Kunde
und würde eines davon kaufen! Viele Grüße, Ralf
EOC:
Hallo Ralf. Manchmal denken wir gerne an ein Songbook. Leider müßten wir
dazu erst Melodie, Begleitung und Aufbau mühsam heraushören und aufschreiben.
Dazu haben wir dann aber immer schon keine Lust mehr. Tut uns leid. Wir sind
eben auch nicht besser...

Heiko Jungnitz fragt: mich würde interessieren, was Euch dazu bewogen hat,
das Lied "Warte Auf Mich" auf euer neues Album zu nehmen, nachdem es ja
bereits 1998 von "Das Holz" mit Sven am Mikro veröffentlicht wurde?
EOC:
Ja nun, das ist ein schönes Lied, und eine Element-of-Crime-Version
dieses Liedes, dachten wir, ist sicher eine schöne Sache.

Barbara Pock fragt: Welche Musik hört ihr privat und welche Gruppen gefallen
euch besonders gut?
EOC:
Eine in zweifacher Hinsicht problematische Frage: Zum einen berührt sie
unser Privatleben, und das ist immer heikel. Zum anderen wären da so viele
Musiksachen und Gruppen und überhaupt aufzuzählen, zumal da die Geschmäcker
innerhalb der Band so verschieden sind, daß eine sinnvolle Antwort nicht
möglich ist. Tut uns leid.

Maximilian H. fragt: Halli Hallo, ich sitze hier gerade als
Austauschschueler in Island, und gerade jetzt wo's draussen
grauslicher & kaelter wird kommt mir eine neue Platte von Euch gerade recht!
NUR: wird's wieder einen Lado-Vinyl-Service geben? oder kommt die Platte gar
nicht auf Vinyl heraus? oder soll ich mir wirklich dieses glaenzende, kleine,
runde Ding kaufen, das ja doch etwas weniger Sex-Appeal hat?
EOC:
Nein, lieber Maximilian, wenn die glänzenden, kleinen, runden Dinger
trotz dieser hübschen Beschreibung weniger Sex-Appeal für dich haben als die
Vinyldinger, dann mußt du sie nicht kaufen. Die "Romantik" erscheint auch als
Vinyl, aber diesmal von Motor Music, unserer geliebten Platten(!)firma,
selbst hergestellt und vertrieben. Sie wird, so hoffen wir einmal, in jedem
guten Plattengeschäft, das noch Vinyl verkauft, zu haben sein.

Joscha Scholz fragt: Habt Ihr in Euren Anfängen ausschließlich
englischsprachig agiert? 2. Wann/weshalb der Wechsel zur deutschen Sprache
(Halte ich für sehr gelungen!)? Joscha
EOC:
Das ist lange her. Ja, am Anfang haben wir ausschließlich Englisch
gesungen, und der Anfang waren ungefähr 5 bis 6 Jahre, wobei, auf der 5.
englischsprachigen Platte war dann auch schon ein deutsches Lied dabei,
"Damals hinterm Mond", und danach ging es ab 1991 immer munter weiter auf
deutsch, und über die Gründe und all das möchten wir an dieser Stelle auf die
schöne Vita Brevis (Jahre 1989 bis 1991) auf dieser Website verweisen, da
steht alles drin.

Sebastian Even fragt: Ich habe vor einigen Tagen durch Zufall eine
Aufeichnung eines Konzerts der "Rosen-Tour" entdeckt. Ich glaube Woodstock.
Da habt Ihr Weisses Papier im Duett gebracht. Wer war der gute Mann, der da
mit Sven gesungen hat? Gibt es diese Version des Stücks auch auf einer CD?
Das wäre doch mal wieder einen Download wert! Gibt es noch weitere
Aufzeichnungen anderer Konzerte?
EOC:
Nein, Woodstock war es dann doch nicht. Es war sicher das
Tollwood-Festival (ein zweifelhafter Name, da wäre einem Woodstock schon
lieber...), und der Freund, der dort mitsang, war Büne, der Sänger der
Schweizer Gruppe Patent Ochsner. Die hat auf einer ihrer Platten Weißes
Papier auf Schweizer- oder Bernerdeutsch gecovert, und so hat es sich
ergeben, daß er einen Teil des Liedes eben in dieser seltsamen Sprache
mitsang. Das Leben hält nun mal viele Überraschungen bereit... Was
Aufzeichnungen anderer Konzerte gibt, so werden wohl viele existieren, aber
von den meisten wissen wir nichts.

Silvio Gohlke fragt: Tag, eine Frage hätte ich: woher nimmt Sven Regener die
Inspiration, derartige Texte (und nun auch noch ein Buch) zu schreiben. Ich
meine damit, so viele Seiten des Lebens können nicht erlebt werden, oder
doch, oder ist es die beeindruckende Gabe, den Menschen zu beobachten, ist
dies Deine Inspiration, die aus der Beobachtung der Dinge? Danke
EOC:
Ja, wenn man das wüßte... Manchmal haben wir das komische Gefühl, er
denkt sich das alles nur aus... Selbst nach mehrmaligem Drängen konnten wir
ihm jedenfalls keine genauen Angaben entlocken, er murmelte nur etwas von
"...ist halt so..." und "...war gar nicht so schwer..." Er ist halt
bescheiden, ist er. Oder verschwiegen. Oder beides...

Jan Stubbe fragt: Liebe Element of Crime, ich habe gerade erst eure Homepage
entdeckt und war ziemlich überrascht, dass es von euch eine ganze Reihe von
Songs gibt, die nur auf Singles erhältlich waren. Versuche die entsprechenden
CDs zu bekommen schlugen leider fehl. Meine Frage: Wäre es nicht möglich für
die Komplettisten unter euren Fans alle diese Songs als MP3s auf eure
Homepage zu stellen? Mit freundlichen Grüßen Jan Stubbe
EOC:
MP3s stellen wir nicht gar so gerne ins Netz. Wir denken aber durchaus
über eine Veröffentlichung all dieser Dinge auf einer Extra-CD nach. Und da
gibt es mittlerweile wirklich einiges an Raritäten...

Heiko Jungnitz fragt: liebe Elements, ich frage mich schon seit längerem, ob
es nicht ab und an Schwierigkeiten bereitet, seine eigenen Songs in der
Öffentlichkeit vorzutragen und ob es da nicht manchmal innere Konflikte gibt, wenn
Songs einen persönliche Bezug zu selbst Erlebtem besitzen. Ist man sich
dessen als Interpret bewußt? Gehört ein Stück Verdrängung zum Geschäft
oder ist ein Stück Offenlegung des eigenen Seelenlebens Teil des Puzzels
und Antriebskraft?
Eine Antwort darauf würde mich wirklich interessieren.
EOC:
Lieber Heiko, das ist eine gute Frage, die nur schwer zu beantworten
ist. Vielleicht geht es am besten so: Wenn ein Lied erst einmal geschrieben
ist, gehört es allen, die es gerne hören. Und der Interpret, selbst wenn er
den Song selber geschrieben hat, ist dann auch nur einer unter potentiell
vielen. Und der Bezug zu selber Erlebtem ist bei diesem Interpret, und sei es
die Band Element of Crime, in diesem Moment dann genauso stark oder genauso
direkt wie etwa bei dir als Hörendem.

Jens Bielfeld fragt: Eure Musik hat mich auf vielen Reisen begleitet und
schon etliche Freunde im Ausland dazu bewegt, ein wenig Deutsch zu lernen.
Deshalb möchte ich euch heute eine Frage von Katy aus Tschechien übermitteln,
die sich eine Neuauflage einiger eurer alten Songs (wie z.B. "Murder in your
eyes) mit deutschem Text wünscht. Habt ihr daran mal gedacht, oder es bereits
geplant?
EOC:
Nein, daran haben wir noch nicht gedacht. Bei einem schon im Jahre 1988
vorgenommenen Versuch an dem Lied "No Home" (Kein Heim) haben wir gemerkt,
daß das unnötig ist. Man sollte die Lieder vielleicht einfach so lassen, wie
sie sind.

Ingo fragt: Tach, sacht ma, der Eintrag beim Stoppok im Gästebuch, war der
tatsächlich von Sven Regener? Ich hatte mal Anfang der 90´er, als weder ihr
noch er so richtig bekannt waren ne Lieblingscassette, A-Seite Stoppok
B-Seite EoC (warum in der Reihenfolge? Egal...passte jedenfalls gut!)und
fragte mich damals schon, ob ihr und Stoppok euch wohl kennt. Wenn dat
wirklich Sven war, scheint ja ein ganz guter Draht da zu sein, oder?
EOC:
Nein, es war nicht Sven, das ganze ist wohl ein Witz, von wem auch
immer, und ob es ein guter ist oder nicht, das sei dahingestellt.

Hilde Schnee fragt: Hallo Element! Ich schätze sehr Eure neue CD Romantik; es
ist aber auch die einzige, die ich kenne, da ihr bis jetzt einfach so spurlos
an mir vorbegegangen seid. Meine Frage nun: Wie seid ihr auf Fink gekommen,
mögt ihr euch? Es klingt so!
EOC:
Hallo Hilde. Eigentlich solltest du zu diesem Zeitpunkt unsere neue CD
Romantik noch gar nicht kennen. Was ist da nur wieder los...? Und was Fink
betrifft: Ja, wir mögen uns und wir haben schon oft miteinander gespielt. Auf
der Bühne und so.

Ringo Breitz fragt: Hi Element, (da sitzt ja wohl doch nur immer ein armes
Schwein das den ganzen Kram hier beantworten muß...) habt Ihr schon mal was
von Brel gespielt? Ich meine das wäre doch sicher mal ne klasse Sache,
"Element Of Crime spielt Jacques Brel", n nettes Cover Album. Abseits von
Klaus und Dominique und jetzt auch Maria (Bill singt Brel, klasse Stück grad
bei uns am Theater..)!
EOC:
Nein, lieber Ringo, haben wir nicht gemacht. Und wenn doch schon der
Klaus und der Dominique (und die Dominique sicher auch irgendwo) und jetzt
auch die Maria das machen, dann braucht das auch kein Schwein.

Dominik Heller fragt: Eine Frage eher an die Bewohner einer großen Stadt, als
an die Teile einer großen Band: hat sich Berlin seit 1990 wirklich so zu
seinem Nachteil entwickelt, wie mir das zugezogene Ureinwohner immer
weismachen wollen?
EOC:
Das ist eine Frage, für die wir nicht zuständig sind. Keine Ahnung, oder
auch: Das hängt davon ab...

Martin Gebigke fragt: Durch Zufall bin ich ein großer Freund der
"Beckett&Buddha"-CD von Barbara Gosza geworden, auf der Sven Regener auch
Trompete spielt. Leider konnte ich bisher nichts weiter über jene Dame in
Erfahrung bringen. Könnt ihr mir einen Link verraten? Ist sie Deutsche, oder
Ungarin? Macht sie noch Musik?
EOC:
Sven Regener hat allerdings auf der besagten Platte von Barbara Gosza
nicht nur Trompete gespielt, sondern die Platte auch produziert. Aber das war
1991 und seitdem hat er sie aus den Augen verloren. Keine Ahnung, sagt er.

Christian Peitz fragt: Hi! (1) Wie geht's? (2) Wie kommt es, dass Kühe
fliegen (beispielsweise an Fenstern vorbei)? (3) Leidet Ihr (insbesondere
Sven) oft in Euren Liebes-Beziehungen oder scheint es nur so?
EOC:
(1) Ganz gut, danke. (2) Erst ab Windstärke 14. (3) Das ist privat.

Sebastian Jansen fragt: Wie läuft bei Euch der Songwriting Prozess ab? Jamt
ihr einfach zusammen und daraus entsteht dann ein Lied oder kommt einer von
euch an und sagt:" Hier ist der Song. Er geht so und so.
EOC:
Beim Jammen entsteht bei uns eher weniger. Es ist schon so, daß meist
der eine oder andere mit einer Grundidee für die Musik eines Liedes kommt,
die kann dann mehr oder weniger ausgearbeitet sein, und irgendwie fügt sich
das dann, auch durch Jammen vielleicht oder wie auch immer, was weiß ich
denn... Der Text kommt dann viel später.

Daniel Schürmann fragt: Hallo. Jedesmal wenn ich im Radio "I saved the world"
von Eurythmics höre, kommt mir "Schwere See" von euch in den Sinn. Ich glaub,
die haben tatsächlich von euch die Streicher geklaut oder etwa sogar
abgekauft! Ist auch die Aehnlichkeit auch schon aufgefallen?
EOC:
Nein, aber wir werden da hinterhergehen wie der Teufel hinter der armen
Seele. Und wehe den Eurythmics, wenn das stimmt... - dann haben sie die Welt
zum letzten Mal gerettet!

Zliq fragt: Ich bin sicherlich nicht der erste, der das fragt. Vielleicht
müsste ich mir auch nur die Zeit nehmen und innerhalb dieses `längsten
Interviews der Welt´ nach der entsprechenden Antwort suchen, aber: hat sich
Eure heiße kleine Combo anno 1985 nach dem gleichnamigen Lars von Trier-Film
benannt? Ist der gut und bezeichnend für die damalieg Stimmung der Band
gewesen? (Ich hab ihn ja zu Hause liegen, doch noch NIIEEE angeschaut.) Die
liebe Zeit. Grüße, Z.
EOC:
Ja, der Film war damals recht neu und wir fanden den Titel irgendwie gut
und passend, zumal uns Leute erzählt hatten, das ginge darin um
Kriminalpsychologie usw, das fanden wir gut. Und wir fanden auch, daß er gut
klingt und so. Ich wünschte, ich könnte etwas weniger Banales darüber
erzählen, aber das geht leider nicht, man muß immer schön ehrlich sein und
all das. Wir haben ihn dann auch alle später erst gesehen und wüßten jetzt
auch keinen sonstigen Zusammenhang zwanghaft herzustellen. Es ist ja alles
schon so lange her...

Christian K. fragt: EOC haben auf den deutschen Scheiben sehr schöne Fotos.
Kann man die irgendwo bestellen?
EOC:
Nein, nicht eigentlich. Sie sollen ja nur für die Scheiben sein.

Sebastian Even fragt: Wie steht Ihr eigendlich zu neuen Medien wie der DVD?
Könntet Ihr Euch vorstellen Eure Videos auf diesem Medium zu veröffentlichen?
Im Internet ist die Qualität ja doch sehr bescheiden.
EOC:
Was die DVD betrifft: Wir sind nicht dafür und nicht dagegen. Wir sind
eher neutral. Man kann eigentlich auch nicht gegen die DVD sein, aber auch
nicht unbedingt dafür, da gibt es sicher lohnendere Dinge. Ansonsten möchte
ich es mal so sagen: Kein Mensch braucht eigentlich Musikvideos. Musikvideos
sind bloß Werbefilme. Und sie machen schlechte Musik nicht besser. Aber
manche gute Musik schlechter. Wenn man Glück hat, schaden sie nicht. Deshalb
können wir dann auch froh sein, daß die Qualität im Internet so bescheiden
ist, das hat ja auch etwas Gnädiges manchmal...

Kirsti fragt: Hm, mag vielleicht abgedroschen klingen, aber - wird es ein
Alexandra-Cover-Album geben?
EOC:
Eher nicht.

Vera Herzberg fragt: Wer eigentlich ist EOC ? Lebt ihr zusammen und besprecht
die Fragen am Frühstückstisch ? Oder wer antwortet hier immer so brav auf
alle Fragen?
EOC:
Ich bin's! Und ich bin gerade allein.

Tilo Gorek fragt: Hallo! Hab grad ne Biografie der Ex-DDR Band "Freygang"
gelesen, der zu entnehmen war, da Ihr am 17. September 1987 in der
Zionskirche in Ostberlin mit aufgetreten seid. Habt Ihr noch Erinnerungen
daran? "Freygang" selbst beschrieb Euch als etwas zurückhaltend und
reserviert. Hattet Ihr eigentlich noch weitere Konzerte in der DDR, wenn ja,
wie war euer Verhältnis zu dem Land und den Leuten damals.
EOC:
Oh ja, wir haben noch Erinnerungen an dieses Konzert. Es hat tatsächlich
zwei Konzerte in der Zionskirche gegeben, das im September und zuvor eins im
Juli. Das waren eher halblegale Sachen, wir waren als Touristen eingereist
und hatten keine Instrumente mitgenommen usw., weil normalerweise Konzerte in
der DDR ja nur über die dortige Künstleragentur, i. e. über den Staat und
seine Genehmigung laufen durften. Bei den Kirchen existierte eine Grauzone,
und Sylvio Meier, der diese Konzerte damals organisierte, hat diese Grauzone
dafür genutzt. Das erste Konzert war mäßig besucht gewesen und eine sehr
ruhige Angelegenheit, es waren ungefähr 200 Leute im Publikum gewesen und
alles war sehr nett. Das zweite Konzert war knüppelvoll, die Kirche platzte
quasi aus allen Nähten, und am Ende gab es einen Überfall durch eine Gruppe
rechter Skinheads, bei dem einige Leute niedergeschlagen wurden usw. Das
Ganze hatte dann ziemliche Kreise gezogen, und das alles hier zu erzählen
würde den Rahmen sprengen. Es wurde aber gleich klar, daß man aufgrund der
fehlenden Sicherheit eine solche Art von Konzerten wohl nicht mehr würde
durchführen können, was sehr, sehr schade war.
Daß wir zurückhaltend und reserviert gewesen sind, das kann gut sein. Für uns
war das eine fremde Stadt in einem fremden Land damals, und eine gewisse
Scheu war uns sicher nicht abzusprechen. Weitere Konzerte hat es zu
Mauerzeiten in der DDR dann nicht mehr gegeben.

Petra Felting fragt: Ja, also ich habe gerade voller Überraschung
festgestellt, dass eure Karriere quasi in Düsseldorf angefangen hat. Wie kam
es denn dazu?? Ist doch eigentlich eher provinziell im Vergleich zu Berlin.
(Eingeständnis einer gebürtigen Düsseldorferin!)
EOC:
Unsere allererste Plattenfirma war die Düsseldorfer Firma Atatak, vor
allem bekannt geworden als Elektroniklabel und durch die Veröffentlichung von
Der Plan, Pyrolator, Andreas Dorau und andere. Deshalb haben wir im
Atatak-Studio auch 1985 unsere erste Platte aufgenommen, "Basically Sad".
Deine Meinung über Düsseldorf möchten wir nicht kommentieren, nur betonen,
daß es uns immerhin auch damals schon gelungen ist, in Düsseldorf
durchzumachen, und das ist ja auch schon mal was... Unsere ersten Konzerte
haben wir aber in Berlin gespielt, und so gesehen, relativiert sich das auch
mit dem Karrierebeginn usw., wer weiß schon, wann so etwas anfängt...

Michael Obenland fragt: Hi, ein Anhang an die Frage von Martin Kantwerk; Ihr
antwortet da: "Es sei denn, wir covern Songs anderer". Ihr habt sicher
gemerkt, dass Patent Ochsner aus der Schweiz "Weißes Papier" gecovert hat,
auch wenn Ihr den Text vielleicht nicht mehr versteht. Wäre es mal ein
Gedanke, im Gegenzug einen Song von Patent Ochsner aufzunehmen?
EOC:
Ja, das ist wahr, das haben wir gemerkt und es hat uns gefreut. Und
natürlich haben wir alles verstanden, auch wenn es auf Schweizerdeutsch
gemacht wurde. Wir kannten ja das Original. Wobei wir uns noch immer fragen:
Warum machen Patent Ochsner aus "Astronaut" in ihrer schweizerdeutschen oder
bernerdeutschen Version einen "Kosmonaut"? Und sicher wäre es mal ein
Gedanke, im Gegenzug einen Song von Patent Ochsner aufzunehmen. Geht es dabei
dann aber eher um den Song oder um den Gegenzug? Fragen über Fragen...

Ilka Siegling fragt: Wie sieht das eingentlich mit der "Dicte-moi ta loi"
aus? Hattet Ihr die nur als limitierte Version der "Weißes Papier"
rausgegeben, war das ein Testlauf? Und wie stehen die Chancen, dass sie
nochmal neu gepresst wird? Ich weiß nur, dass sie viel gesucht wird. Gehe
also mal davon aus, dass sie nicht im Laden liegen bleiben wird. Soweit ich
richtig informiert bin, gab es wohl auch die englischen Platten kurzzeitig
kaum zu bekommen, nun sind aber alle wieder zu bekommen. Kann ich auf
ähnliches hoffen?
EOC:
Ja, die Dicte-moi ta loi war wirklich nur eine limitierte Version der
"Weißes Papier", was sie auch von den rein englischsprachigen Alben
unterscheidet, die ja eigenständige Veröffentlichungen waren. Darum sind
diese auch noch zu haben, jene aber nicht. Oder so. Was eine
Wiederveröffentlichung betrifft: Man wird sehen. Besondere ästhetische
Meriten im Unterschied zur "Weißes Papier" hat diese Platte unserer Ansicht
allerdings nicht, der größte Reiz besteht wohl eher im Seltenheitswert, und
den möchte man dann ja auch nicht gleich zerstören...

Holger Kramer fragt: Erstmal Bravo!! Für alles was Ihr bis jetzt so gemacht
habt, im Großen und Ganzen, Allgemeinen und Speziellen. Und so. Besonders
auch für die Idee nach Sibirien zu gehen. Wie kommt man denn dazu? Hofft Ihr
auf neue Eingebungen der einzigartigen Einsamkeit sibirischer Trauerweiten.
Ich war ja selbst noch nicht da, vielleicht ist es dort gar nicht traurig.
EOC:
Wir wünschten, die Antwort wäre jetzt nicht so banal, aber da muß man
durch: Wir wurden gefragt, und es wurde uns versichert, es gäbe dort Fans und
ein Bedürfnis nach Konzerten von uns. Auch in Moskau. Man wird sehen, wir
waren ja auch noch nicht da...

Holger Kramer fragt weiterhin: Ich schätze ja, daß Ihr auf sowas gar nicht
antworten werdet, sowas Privates im öffentlichen elektronischen Raum, aber
ich will es trotzdem wissen: Nehmt Ihr gerne Rauschmittel zu Euch zum
Musikmachen (Drogen hört sich zu böse an), oder paßt das nicht zur
Profieinstellung zur Musik? Wie sieht's aus?, mal einen kiffen, mal einen
heben und dann schön Musik machen?
EOC:
Das soll jetzt kein Statement zu Drogen, Rauschmitteln, oder was immer
sein, lieber Holger, aber eins ist auf jeden Fall richtig: Der breite Musiker
spielt nicht besser, die Musik wird davon nicht schöner. Ansonsten gilt zum
Thema Rauschmittel: Jeder wie er kann.

Andreas Dreckshage fragt: Also ich habe lange gegruebelt und nun habe auch
ich eine Frage: Ist 'Nichts mehr wie es war' eine wahre Geschichte? Bei mir
ist sie das. Vielen Dank fuer diesen Seelenbalsam.
EOC:
Gern geschehen. Aber: Was ist wahr? Und in welchem Sinne? Daß man es
genau so erlebt hat? Wie aber soll man etwas Gereimtes erleben? Und würde das
etwas ändern? Daß "Nichts mehr wie es war" für dich eine wahre Geschichte
ist, ist für uns auf jeden Fall ein großes Kompliment. Und auf diese Weise
ist deine Frage auch schon beantwortet: Wenn die Geschichte bei dir wahr ist,
dann ist sie wahr. Scheiß doch auf uns...

Katterin-san
Eisenacher fragt:
Es ist ja so: Wir sind vollauf zufrieden, neinneinnein, mehr als
gluecklich mit Euch. Danke! Pah, danke ist viel zu wenig. Denkt
Euch bitte noch mehr. Einziger Wehmutstropfen: Sven Regener verweigert
meiner lieben ehrenwerten Freundin Nicoll seit Jahren ein Autogramm.
Sagt es bitte jetzt einmal laut und deutlich: Er gibt grundsaetzlich
keine Autogramme. ODER? Warum auch immer...ich weiss ja auch nicht,
warum sie eins haben moechte, aber: Sie moechte eines. Warum kriegt
sie keins? So hat ein jeder seine Fragen... Katrin
EOC:
Ja, liebe Katterin-san, das ist natürlich jetzt blöd,
denn eigentlich gibt Sven Regener schon Autogramme, wie wir alle.
Aber es scheint so, als ob wir in dieser Hinsicht nicht sehr gut
organisiert sind. Ist uns das vorzuwerfen? Unbedingt. Aber nicht
allzusehr. So hat jeder seine Schwachstelle...

Dr. Marc Ludwig
fragt:
Was hört Ihr denn selbst gerne für Musik und welche Bücher
empfiehlt Ihr dem geneigten Fan?
EOC:
Oh, oh, oh, da müßten wir jetzt lange konferieren, diskutieren
und die verschiedensten, sich einander widersprechenden Antworten
einholen, dieselben sammeln, dann in Streit darüber geraten
und viel, viel Bier trinken, um die Wogen wieder einigermaßen
zu glätten. Deshalb hier die einzig konsensfähige Antwort:
Jeder wie er kann und mag.

Carsten Brombach
fragt:
Gibt es unter Euren Songs welche, die Ihr partout nicht mehr hören
könnt/spielen mögt und wenn ja, welche?
EOC:
Nun, da gibt es vielleicht welche, aber sollte man sie denunzieren?
Da bei Element of Crime das Prinzip Keiner wird gezwungen herrscht,
kann es auch sein, daß nur ein einzelner von uns einen Song
nicht mehr hören kann oder spielen mag oder nicht mehr spielen
kann oder nicht mehr hören mag, und das schlägt sich dann
auch gleich in Fakten nieder, die dann so aussehen, daß keiner
das mehr spielen mag und dann vielleicht auch irgendwann nicht mehr
spielen kann... Oder wie auch immer. Aber bei etwa hundert Songs
ist es auch so, daß wir ohnehin 80 Prozent unserer Songs
nicht spielen können, weil wir sonst etwa 10 Stunden am
Stück auf der Bühne wären, und das grenzte an Tierversuch
und damit wäre keinem geholfen. Sodaß die Tatsache, daß
wir viele Songs nicht spielen, nun auch nicht heißt, daß
wir diese Songs nicht hören oder spielen könnten oder
möchten. Das Leben ist so voller Beschränkungen, man würde
am liebsten gar nicht mehr drüber nachdenken. Tatsächlich
ist es eher so, daß wir uns zumeist eher positiv entscheiden,
d. h. wir gehen nicht danach, was wir oder einzelne von uns nicht
spielen möchten, sondern danach, was alle unbedingt und gerne
spielen wollen. Womit denn auch mal die Frage geklärt wäre,
wo das Positive bleibt: Da ist es.
Carsten Brombach fragt ferner:
Gibt es Songs, die Ihr auch fünf mal am Abend hören/spielen
könntet - und wenn ja, welche?
EOC:
Oh ja, viele, sicher auch die, die wir immer so spielen, denn wir
haben ja viel Auswahl und überhaupt: siehe oben. Aber: Will
das jemand?
Carsten Brombach fragt dann auch noch dies:
Oops - schon die dritte Frage, aber sie passt zur zweiten: Habt
Ihr mal an eine "Best of EOC"-CD gedacht?
EOC:
Wir nicht, aber unsere Plattenfirma. Die will so etwas immer wieder
haben. Wir aber sagen: Sind wir Albumkünstler? Sollen wir die
Rosinen rauspicken? Und was sind überhaupt die Rosinen? Wie
soll man sich da entscheiden? Und ist es nicht frech, den Leuten
die eigene Entscheidung vorzuenthalten, was das Beste ist und was
nicht? Gibt es nicht so viel zu entdecken bei so vielen Platten?
Und das sind dann schon immer ein paar Fragen zu viel.

Sebastian Even fragt:
Die Sonne strahlte gerade so unverschämt munter vom Himmel,
da mußte ich die aufkommende Sommerstimmung erstmal mit eurem
Live-Album "Crime Pays" bekämpfen. Ich finde auf diesem Album
habt Ihr bewiesen, daß man die einzigartige Livestimmung eines
Konzerts doch auf CD pressen kann. Wie steht Ihr selbst zu diesen
Aufnahmen? Würdet Ihr Sie am liebsten ungeschehen machen oder
seid Ihr ausnahmsweise mal zufrieden mit diesem Eurem Livealbum.
EOC:
Muß man die Sommerstimmung denn gerade mit unserer Musik bekämpfen?
Geht es denn nicht auch anders, z. B. sich einen kühlen Drink
machen und schlapp zurücklehnen und dann in Ruhe mitsummen?
Und ist das nicht auch, wenn nicht sogar gerade der Sommer? Aber
davon einmal abgesehen: Wenn wir die Crime Pays nicht in Ordnung
fänden, dann hätten wir sicher einen Weg gefunden, sie
vom Markt zu nehmen. Und es ist sicher auch für uns nicht unaufregend,
mal reinzuhören, wie wir vor zehn Jahren live so klangen. Aber
mal ehrlich: Sollte man jetzt deswegen dauernd Live-Platten raushauen?
Wäre das nicht arg selbstverliebt? Und vor allem: Sind die
Versionen der jeweiligen Songs auf der Crime Pays denn gegenüber
den Originalversionen irgendein Gewinn? Das Ganze hat dann doch
eher dokumentarischen Charakter, und Dokumentaristen wollen wir
nicht sein.

Tilo Gorek fragt:
Wenn ich den Angaben des "Rolling Stone" Glauben schenken
darf, was ich als Abonennt tue, hattet Ihr mal für die "Peter
Pan"-Inszenierung ein komplettes Album geplant. Es gab sogar
schon einen Titel, welchen ich jetzt nicht mehr weiß, und
ein Veröffentlichungsdatum, auch das weiß ich nicht mehr.
Falls es welche gab, was waren stattdessen die Gründe für
die Veröffentlichung einer Maxi-CD?
EOC:
Wenn der "Rolling Stone" das so geschrieben hat, dann
hat er das falsch geschrieben. Da es nie beabsichtigt war (und auch
des Guten zuviel gewesen wäre), mehr als höchstens eine
Handvoll Lieder für die Peter-Pan-Inszenierung zu schreiben,
wäre die Veröffentlichung eines Langspiel-Albums wohl
auf elende Zeitschinderei mit Instrumentalmusikschnipseln hinausgelaufen,
und das ist unsere Sache nicht.

Martin Kantwerk fragt:
Schreibt ihr die Songtexte alle selber und warum gehts so oft über
die See? P.S. Bei Ideenot kann ich mich auch mal für euch ins
Zeug legen..
EOC:
Ja, doch eigentlich machen wir die immer selber. Es sei denn, wir
covern Songs anderer. Was natürlich genauso schön ist,
aber seltener vorkommt. Und danke für das Angebot. Noch geht's
aber ganz gut voran....

Gerrit Preuß fragt:
Deutschsprachiger HipHop etcblabla ist ja schon etwas länger
DAS Ding in unseren Breiten. Wie steht Ihr dazu ? Laßt Ihr
Euch in irgendeiner Form von dieser Entwicklung beeinflussen ? Schon
mal über eine Kooperation mit z.B. Fünf Sterne Deluxe
nachgedacht ? ´nen fetten Weltschmerz-Rap o.ä.?
EOC:
Alles ist gut und richtig. Oder umgekehrt. Was aber den fetten Weltschmerz-Rap
betrifft: Da sollte man nichts überstürzen. Oder auch:
Jeder, wie er kann...!

David Djabbari fragt:
Ihr singt in Euren Liedern sehr oft über die See, und die Seefahrt.
Da Berlin ja nicht unbedingt sehr nahe am Meer liegt, würde
mich interessieren, was eure Verbindung zur See ist. Danke für
die Aufmerksamkeit.
EOC:
Ja nun, die Seefahrt ist natürlich ein schön romantisches
oder auch romantisch schönes Thema, mit all der Trennung, Wiedersehen,
Liebe usw. usf. Und auch wer in Berlin wohnt, kann das Meer lieben
oder zumindest etwas damit anfangen. Und wenn man als Kind immer
das Hafenkonzert im Radio hörte...

Sven Rave fragt:
Welche Bedeutung steckt hinter dem Titel "Vier Stunden vor
Elbe 1"? Hat das was mit der gleichnamigen Hafenkneipe (Elbe
1) in Hamburg zu tun? Was für ein Zusammenhang besteht zum
Songinhalt? Und wieso habt ihr das Lied Helga Federsen gewidmet?
EOC:
Elbe 1 ist bzw. war der Name eines Feuerschiffs, das früher
(mittlerweile ist es außer Dienst gestellt) vor der Elbmündung
lag. Vier Stunden vor Elbe 1 ist der Titel eines Films von Helga
Feddersen aus den 60er Jahren. Dieser Film ist sehr zu empfehlen,
allerdings auch schwer zu bekommen oder zu sehen. Der Text des Liedes
war durch diesen Film inspiriert.

Sascha aus Jena fragt:
(...) Doch hat mich die Stimme Eures Sängers (Sven Regener!?)
stark an die Seamstrasse erinnert - das gab mir schöne Erinnerungen
an meine Kindheit und somit eine gewisse Verbundenheit zu Eurer
Musik (...) Hat Sven Regener mal irgendwann (in den 70er bis 80ern)
Lieder fuer die Sesamstrasse gesungen ???
EOC:
Leider nein.

Holger Ihle fragt:
Habt Ihr Heinz Rudolf Kunze verhauen? Wie kam es zu der fürchterlichen
CD Element of Crime playing the fantastic [sic!] Bee Gees?
Und was hat Michaela zu "Michaela sagt" gesagt?
EOC:
Nein, wir haben Heinz Rudolf Kunze nicht verhauen. Und wir mögen
die Maxi-CD, die da in Wirklichkeit nach unserer Erinnerung heißt:
Element of Crime Playing the Fantastic Bee Gees Classic "I
Started a Joke", was dann schon einen Unterschied macht. Aber
natürlich ist nicht nur das Lied, sondern sind auch die Bee
Gees fantastisch. Wenngleich das Geschmacksache ist, Holger. Trotzdem
hier ein guter Rat von einem alten Mann (Sven Regener): Wirf den
Dünkel über Bord, dann wird die Welt gleich größer.
Michaela hat gar nichts gesagt.

j.oe fragt:
(1) Knapp 6 Wochen nachdem ich als deine mindestens superlative
Fanin bemerkt habe, wer da hoch über mir wohnt und krampfhaft
über eine auf den winzigen 10qm des Hofes zu organisierende
Hausparty nachdachte, bist du weggezogen, warum nur?
(2) Ist Michaela realexistent
EOC:
(1) Das muß lange her sein, das weiß keiner mehr. Oder
es ist privat.
(2) Jein. Genau so natürlich nicht. Ansonsten überall.

Daniel Decker fragt:
Jetzt eine "geek" Frage: Wird der Element of Crime - Sound
auch durch spezielles Equipment geprägt ?! Soll heißen,
spielt ihr nur mit eurer Lieblings-Telecaster (Strat, ES 335, oder
was sonst ?!), an einem Fender oder Marshall Amp und davor dass
Cry Baby und einen Verzerrer, der eigentlich ein altes Röhrenradio,
welches hoffnungslos übersteuert wird, ist?!
EOC:
Ja nun... Wir haben so Kram, ja. Natürlich wählt man zu
dem Sound, den man will, ein bestimmtes Instrument, so eben auch
mit E-Gitarren, Verstärkern usw. Davon fliegt einiges herum,
auch Fender-Gitarren, Strat und Tele, Gretsch- und Gibson-Gitarren,
Fender- und Bender-Verstärker, allerlei Kram zum Einstöpseln,
so Zeug halt. Und die Trompete ist von Yamaha, das Drum von was-weiß-ich,
oder, wie es jene wunderbare Platte der Gruppe Mutter in ihrem Titel
ausdrückte: Hauptsache Musik!

Tino Heim fragt:
1. Warum habt ihr euch damals eigentlich von Paul Lukas getrennt,
musikalische Gründe koennen es ja kaum gewesen sein, denn er
war schon ein ziemlich guter Basser - oder? Was macht er heute so,
ist er in Rente oder zupft er in neuen Formationen?
2. Haltet Ihr New York für die totale Provinz? Ich lebe und
studiere jetzt seit beinahe einem Jahr in NYC und die ganze Zeit
gab es meines wissens kein Element of Crime Konzert... Gibt es eine
Chance, dass ihr in absehbarer Zeit mal hier vorbeikommt oder bleibt
ihr weiter im fernen Deutschland?
EOC:
(1) Das waren eher persönliche Gründe, die wir hier auch
gar nicht weiter ausführen wollen. Und es stimmt, er war (und
ist sicher immer noch) ein guter Basser. Er hat nach der Trennung
von Element of Crime ein Soloalbum veröffentlicht (Paul Lukas,
The Fear of the Singer, Edel Contraire, 1996) und einen Roman geschrieben
(Paul Lukas, Ihm, Reclam Leipzig, 1998). Und man wird sicher noch
mehr von ihm hören.
(2) Es hat sich bisher noch nicht ergeben, daß wir in New
York spielen, und es ist auch eher unwahrscheinlich, daß es
dazu kommt. Mit deutschsprachigen Songs ist es, das wird jedem einleuchten,
schwer, im nicht deutschsprachigen Ausland Konzerte zu spielen.
Dazu bedarf es meist einer besonderen Gelegenheit und Einladung,
wie heuer im September in Rußland.

Stefan Waelker fragt:
Wenn die Elements abends nach Hause kommen, fletzen sie sich dann
gemütlich in das Sofa und schieben erst einmal "Element
of Crime" in den CD-Sänger? Sven turnt somit durchs Wohnzimmer,
klopft sich selber auf die Schulter und singt wie eine Nachtigal
mit?! Das ist ein Bild!!!! HAR HAR! Kramt es Euch hin und wieder
Leid (nebst dem ganzen Stolz), dass ihr die Musik nicht aus der
Perspektive der Anhänger hören könnt?
EOC:
Nein, so ist es nicht, wenn die Elements abends nach Hause kommen.
Und Sven ist als Tuner ohnehin ein Flop, heißt es. Dennoch
berührt diese Frage einen wunden Punkt: Die Distanz zur eigenen
Musik braucht Zeit. Wir sind aber keine heurigen Hasen mehr, und
manche alte Platten, wenn man sie überraschenderweise (zum
Beispiel in einer Kneipe oder dgl.) zu Ohren bekommt, sind dann
plötzlich fremd dem Ohr und somit für Überraschungen
gut. Das setzt aber voraus, daß man sie lange Zeit selber
nicht gehört hat. Aber das tun die Elements ja auch nicht,
wenn sie abends nach Hause kommen, nach eines langen Tages Mühen
im Bergwerk der Kunst, har har.

Christian Kössl fragt:
Für welchen Song habt ihr die meiste Zeit investiert, am meisten
am Text getüftelt und warum?
EOC:
Leider können wir uns daran nicht mehr richtig erinnern. Es
waren viele Songs, und viele dauerten. Sven Regener behauptet aber,
der Text zu "Wieder ein Tag" sei der schwerste gewesen,
weil er eine erste Version komplett wegschmeißen mußte,
weil sie nichts taugte. Es sei dann, sagt er, schwierig gewesen,
sich noch mal was Neues auszudenken.

Martin Hanni fragt:
Hattet ihr schon mal Auftritte in Italien? Wenn ja, wie viele und
wo?
EOC:
Leider noch keinen. Keinen einzigen. Es ist eine Schande, aber wahr.
Zum Trost erhielten wir vor geraumer Zeit mal eine Coverversion
von "Blaulicht und Zwielicht" auf italienisch. Das gab
Tränen der Rührung.

Joerg Wolschina fragt:
(1) Ist Sven schon mal die Stimme beim Singen weggeblieben?
(2) Könnt ihr euch nach einer Tour überhaupt noch sehen,
oder bessergesagt, hat jemand schon einmal, Jakob zum Beispiel,
darüber nachgedacht aufzuhören?
(3) Glaubt ihr an deutsche Popmusik, oder glaubt ihr man, sollte
eher Musik wie Franz Schubert machen?
EOC:
(1) Nein, Sven ist noch nie die Stimme beim Singen weggeblieben.
Manchmal aber war er erkältet und sehr heiser, in solchen Fällen
waren die Konzerte dann sehr rustikale Erlebnisse. Aber das ist
ja auch nicht immer schlecht.
(2) Es ist ziemlich unwahrscheinlich, daß man etwas 16 Jahre
betreibt, ohne immer wieder einmal darüber nachzudenken, damit
aufzuhören.
(3) Kann man an deutsche Popmusik glauben? Oder reicht es, wenn
man welche macht? Oder machen wir eher Rockmusik? Oder ist es beides
zugleich? Und was zum Teufel hat jetzt Franz Schubert damit zu tun?
Okay, hier ist die Antwort: Wir glauben nicht an deutsche Popmusik,
wir glauben, Musik wie Franz Schubert sollte nur Franz Schubert
machen.

Sylke Michaelis fragt:
Woran glaubt Ihr eigentlich noch? Angesichts der wunderschönen
Texte kann es wohl nur der Teufel sein??!!
EOC:
Moment, Moment, Moment? Was zum Teufel hat jetzt der Teufel mit
unseren Texten zu tun? Aber hier ist etwas, an das wir glauben:
Wir glauben, Musik wie Franz Schubert sollte nur Franz Schubert
machen.

Elke Müller
fragt:
Als recht "frischer", aber dennoch arg verzauberter Bewunderer
Eurer Musik/Texte, mag diese Frage vielleicht etwas dusselig erscheinen:
Gibt es Musikvideos von einigen Titeln und wenn, von welchen?
EOC:
Oh ja, und die meisten sind gar nicht mal so gut. Ab Anfang Mai
stehen die dann aber alle im Netz und man kann sie sich herunterladen.
Das Thema Musikvideo an sich ist vielleicht eins, das man mal wirklich
gründlich und in Ruhe diskutieren sollte, denn eigentlich stellt
sich hier ja immer wieder (um mit Grönemeyer zu sprechen) die
Frage: Was soll das?

Stefan Günther
fragt:
Habt ihr eventuell schon mal ins Auge gefasst, einige kleinere Konzerte
in kleinen, ganz winzig kleinen Clubs zu spielen und Eure Songs
dann ggf. sogar auf Zuruf zu spielen?
EOC:
Wir haben lange Jahre nichts anderes gemacht, als kleinere Konzerte
in kleinen, ganz winzig kleinen Clubs zu spielen, vor allem in den
80er Jahren. Aber im Moment erfreuen wir uns lieber an großen
Konzerten und nehmen sie als interessante Bereicherung in unseren
Erfahrungsschatz mit auf. Das muß auch mal sein. Zurufe haben
wir immer ignoriert, deshalb denken viele, wir seien arrogant. Das
tut uns leid, ist aber auch nicht wahr.

Petra Felting
fragt:
Ich bin doch etwas überrascht, daß sich die letzten
"Verfechter der Romantik" per Web-cam à la Big
Brother im Netz präsentieren. Wie ist euer Verhältnis
zu den "neuen Medien"?
EOC:
Hm, sind wir wirklich die letzten Verfechter der Romantik? Ist da
sonst keiner mehr da draußen? Nun ja, auch gut. Nun ist aber
die Studiosituation nicht gerade die romantischste von allen, will
sagen, es gibt dort nicht viel zu verstecken. Und wir schnitten
nicht unsere Brusthaare oder putzten unsere Zähne vor der Kamera.
Tatsächlich haben sich ja schon einige beschwert, daß
man nicht viel erkennen konnte. Das hatten wir aber auch nicht versprochen.
Und irgendwie sind Webcams ja auch gerade deswegen toll. Oder so.

Jan Ilsemann
fragt:
Ist die Kreativitaet und das kuenstlerische Schaffen, das aus einer
beendeten Beziehung entsteht fuer den Kuenstler mehr Wert als eine
intakte Beziehung?
EOC:
Sven, der diese Frage gerne beantworten möchte, sagt: Ich glaube
nicht, daß aus einer beendeten Beziehung, also aus Liebeskummer,
um es einmal weniger unromantisch zu sagen, Kreativität entsteht.
Unglück macht nicht kreativer als Glück und umgekehrt.
Songschreiben ist nicht Tagebuchschreiben, innere Aufgewühltheit
macht noch nicht unbedingt ein gutes Lied. Das ist
jetzt alles sehr theoretisch, aber grundsätzlich kann man die
Frage wohl mit nein beantworten.

QueenMum fragt:
Hallo, begeistert über eure Idee, euch den Fragen eurer
treuen Begleiter über viele Jahre auszusetzen, möchte
ich dies auch gleich einmal nutzen: Wann werdet Ihr wieder einmal
ein richtiges Rockkonzert geben? Oder darf ich mich - meinem Alter
angemessen - bei der nächsten Tournee darauf freuen, bestuhlte
Konzerthallen besuchen zu dürfen?
EOC:
Liebe QueenMum, solange wir bei den Konzerten stehen, mußt
du das auch. Unsere Tournee haben wir irgendwann fertiggeplant,
dann wird das hier veröffentlicht. Schreib dich am besten für
den Newsletter ein, dann verpaßt du nichts, du alte Schnapsdrossel.

Clemens Stompen
fragt:
Kann man die EOC denn mal nach England für ein Paar
Konzerte einladen oder ist das außer Reichweite?
EOC:
Möglich ist alles. Ist da denn Bedarf? So oder so, im September
fahren Element of Crime erst einmal nach Rußland, das ist
ja auch schon was. Näheres wird auf diesen Seiten noch angekündigt.

Stefan Wälker
fragt:
Kurz und bündig: Warum schreibt Sven kein Lied, in dem er
eine liebende Person zurückgewinnt? Habt ihr schon eine Vorahnung
über Eure Tournee 2001 + Auftrittsorte?
EOC:
Wir haben ihn gefragt, und Sven sagt, eine liebende Person muß
man nicht zurückgewinnen, die verliert man gar nicht erst,
sonst wäre es ja keine liebende. Wenn du aber eine geliebte
Person meinst, und zwar eine solche, die man verloren hat, insofern
sie sich vom Acker machte, dich verließ und dergleichen mehr,
dann sagt er: Weg ist weg, das ist leider so. Die Liebe ist ein
zerbrechliches Ding, und was einmal zerbrochen ist, sollte man nicht
mehr versuchen zusammenzukleben, sagt er. Außer es handelt
sich um Knochen oder so, aber das führt jetzt zu weit.

Nora Lühr fragt:
Gibt's auf der neuen Platte endlich wieder ein Seemannslied?
EOC:
Nein, wahrscheinlich nicht. Da wollen wir gar nicht groß drum
herum reden. Aber, liebe Nora, Seeleute sind auf lange Sicht doch
auch Menschen wie du und ich, die kommen auch mit Liedern klar,
die nicht explizit von der See
handeln...

Dirk Neumann
fragt:
Ja, nachdem die Frage, warum Sven's Jacket auf der Bühne
meist weinrot aussah, wohl hinreichend beantwortet sein dürfte,
bleibt für mich eine ganz andere Frqage offen: Irgendwo las
ich einmal schlechte Kritiken über eure "Versuche",
Lieder von Brecht/Weill zu covern. Soll heißen, die eurigen
Versionen wären nicht sonderlich gelungen. Bekannt ist mir
leider nur "Surabaya Johnny", da dies als einziges auf
"Crime Pays" noch
im Handel erhältlich ist. Konkrete Frage also: Wird es in der
nächsten Zeit weitere Cover-Versionen solcher oder ähnlicher
"Klassiker" geben oder werden ältere Sachen wieder
in Programm genommen bzw. neu veröffentlicht? Oder ist
die Band mittlerweile den Vergleich als "neue Chansoniere (ob
man das so schreibt...?) im Stil von Brecht/Weill" leid und
will lieber ihren eigenen Stil verfolgen und/oder verfeinern? Danke.
EOC:
Um es gleich vorwegzunehmen: Ja, wir sind den Begriff des Chansons
usw. in Bezug auf unsere Musik leid, nicht etwa, weil wir etwas
gegen den Chanson als solchen haben, sondern weil der Begriff in
die Irre führt, Assoziationen weckt an Chansonprogramme auf
Kleinkunstbühnen und dergleichen, und das ist unsere Sache
nicht. Und die Ahnung, daß das Covern von Brecht/Weill, aus
welchem Grund auch immer, dieses Mißverständnis in die
Welt setzen kann, trügt auch nicht. Aber man soll ja auch nicht
feige sein, will heißen, dies allein taugt nicht als Grund,
einen Song von Brecht/Weill, wenn man ihn gerne spielen will, nicht
zu spielen. Und wir haben einmal viele Songs von Brecht und Weill
gespielt, es waren, glauben wir, sieben an der Zahl, oder vielleicht
auch acht, das ist halt lange her. Das war anläßlich
des Festival de la Batie in Genf im Jahre 1989, das Festival selbst
stand unter dem Motto "Hommage à Kurt Weill", was
sollte man also tun? Und Spaß hat es auch gemacht. Aber es
war eine Sonderaktion, von deren Früchten sich nicht viel in
die folgenden Jahre weiterschleppen konnte, was vor allem darin
begründet lag, daß wir es auf lange Sicht Scheiße
fanden, die Lieder von Kurt Weill mit einer Rockband zu spielen,
was vor allem mit dem Respekt vor diesem großartigen Komponisten
zu tun hat, der Zeit seines Lebens großen Wert darauf legte,
seine Songs selbst zu instrumentieren und damit einen ganz speziellen
Sound für diese Lieder zu kreieren. Soll man da wirklich mit
E-Gitarren usw. kommen und das Ganze verhunzen? Ganz zu schweigen
davon, daß diese Lieder für das Theater geschrieben wurden,
und Rocktheater wollen wir ja nun schon mal gar nicht in die Welt
setzen. Bitte.

Loulle fragt:
Ich möchte hier fragen, wie ihr darauf gekommen seid, auf...
französisch zu singen! Ich habe das Glück, alle eure Alben
zu kennen, darunter auch "Dicte-moi ta loi" und ich finde
die Übersetzungen ganz gut gemacht. Habt ihr vor, noch mehr
in dieser Sprache zu singen? Und das französische Publikum
auch durch Konzerte (egal in welcher Sprache) glücklich zu
machen?
EOC:
Die Sache mit den französischen Versionen unserer Lieder geht
zurück auf das Jahr 1991, als wir zum Festival TransMusicale
in Rennes eingeladen wurden. Die französichen Partner unserer
deutschen Plattenfirma versprachen damals, unser Album auch in Frankreich
zu veröffentlichen und so weiter und so fort. Leider haben
diese französischen Plattenfirmenleute so dermaßen schlecht
bzw. gar nicht gearbeitet und, wie sich später herausstellte,
die Platten eigentlich auch gar nicht veröffentlicht, daß
wir unsere Bemühungen, die in der mehrsprachigen Version von
"Weißes Papier", eben "Dicte-moi ta loi",
gipfelten, dann doch eher eingestellt haben. Die franzöischen
Versionen unserer Texte wurden damals übrigens von den Geschwistern
Monique und Alain Froidevaux aus Genf gedichtet, und sie sind tatsächlich
sehr schön. Und wir geben auch nach wie vor, wenn es sich ergibt,
gerne Konzerte in Frankreich, und in den letzten Jahren hat sich
immer mal was ergeben, vor allem bei Festivals. Aber, wie es im
großen Film "Nicht fummeln, Liebling" heißt:
Der alte Schwung ist hin, will heißen, wir sehen im Augenblick
keinen Sinn darin, französische Versionen unserer Lieder aufzunehmen,
solange wir keine ernstzunehmende Plattenfirma in Frankreich haben.
Wenn sich aber mal wieder etwas mit Festivals in Frankreich ergeben
sollte: Gern, gern, gern.

Marcus Luecke fragt:
Hallöchen! Warum habt ihr auf den regulären Ausgaben der
deutschsprachigen Alben immer genau 11 Tracks veröffentlicht?
Gibt es da etwa einen geheimen Plan?
EOC:
Moin. Nein, einen geheimen Plan gibt es nicht. Oder wenn, dann würden
wir ihn nicht verraten.

Sven Rave fragt weiterhin:
Bitte, bitte veröffentlicht doch mal wieder ein Livealbum!!!
Ich habe in einem Interview gelesen, dass ihr die einzigartige Livestimmung
eines Konzertes nicht auf CD pressen wollt. Millionen Fans sind
anderer Meinung! Gibt es Hoffnung (vielleicht nach der nächsten
Tour?)
EOC:
Leider ist es nicht so, daß wir die einzigartige Livestimmung
eines Konzert nicht nicht auf CD pressen wollen, sondern daß
man die einzigartige Livestimmung eines Konzerts nicht auf CD pressen
kann. Da liegt das Problem, der Hase im Pfeffer, der Hund begraben,
das ist die Crux, der Haken bei der Sache, der Boden der Realität.
Ein Livekonzert ist immer mehr als nur die Musik und eine CD-Veröffentlichung
davon immer eine Enttäuschung. Oder, wie wir gerne sagen: Es
ist, wie wenn man am Schlüsselloch einer Party lauscht, zu
der man nicht eingeladen war.

Sven Rave
fragt:
Habt ihr vor, vielleicht irgendwann ein 'Unplugged-Konzert'
zu geben, was meiner Meinung nach bestimmt sehr interessant klingen
würde?
EOC:
Lieber Sven, noch interessanter klingt dein Name. Aber Spaß
beiseite: Wir haben das zunächst nicht vor. Es gab so etwas
mal, vor Jahren, als das groß in Mode war und sich bei einer
Radiostation irgendwie ergab. Im großen und ganzen tun wir
aber die elektrischen Instrumente dahin, wo sie hingehören
und die akustischen auch. Letztendlich ist der unplugged-Gedanke
ja auch nur ein seltsames, künstlich anmutendes Korsett, das
keinen eigenen ästhetischen Wert hat. Würden wir mal sagen.

Katrin Hintze
fragt:
Wie seht Ihr euch selbst in der Bedeutung eurer Musik für Berlin
in den Anfängen von Element Of Crime?
EOC:
Gerade in den Anfängen der Gruppe wußte außer einigen
Leuten in Berlin eigentlich niemand, daß wir aus Berlin kommen.
Wir haben das damals auch nicht an die große Glocke gehängt,
weil wir den Berlin-Kult, der in der ersten Hälfte der achtziger
Jahre so penetrant war, nicht noch verlängern wollten. Es war
allerdings immer so, daß in Berlin die meisten Leute uns kannten
und die fettesten Konzerte stattfanden. Das ist auch so geblieben.
Trotzdem sind wir immer der Meinung gewesen, man sollte diese Sache
mit der Stadt, aus der man kommt usw. nicht überbewerten. Schließlich
macht man die Musik dann doch lieber für den einzelnen Menschen
als für abstrakte Dinge wie Städte oder so.

Astrid Jansen schreibt:
Hallo, finde ich eine schöne Idee mit dem Interview. Meine
Frage lautet: War es eure Entscheidung, deutsch zu singen, oder
war es die "Auflage" der Produktionsfirma oder von wem
auch immer, da es in der Zeit sehr hip war, deutsch zu singen? Selbst
wenn es nicht eure war - können kann es kaum jemand so gut
wie ihr.
EOC:
Das ist nett gesagt, vielen Dank. Tatsächlich war es ein diffuser
Prozess, der zum ersten deutschen Album führte. Ausgelöst
wurde die Idee durch das Lied "Der Mann vom Gericht" auf
der vierten Platte, "The Ballad of Jimmy & Johnny",
die ja ansonsten auf englisch war. Bei diesem Lied hatte sich das
anders ergeben, irgendwie hatte sich diesem Lied ein deutscher Text
quasi aufgedrängt, und da war er nun. Und es auch. Und die
Frage: Wenn das einmal geht, geht das dann auch immer? Oder sollte
es immer gehen? Und so weiter und so fort. Tatsächlich kam
die Anregung dazu von Tim Renner, der damals bei Polydor für
uns arbeitete. Bei uns fiel diese Idee aber auch sofort auf fruchtbaren
Boden, zumal wir die Frage, warum wir als Deutsche englische Texte
machten, auch nicht mehr hören konnten.

Lutz Keill fragt:
Endlich werde ich diese Frage los, denn sie läßt mir keine Ruh':
Warum darf der Salat nicht mit Nudeln sein?
Element of Crime:
Ja, wenn man das wüßte? Liegt es an der Schweinerei auf
dem Teppich? Oder steckt noch mehr dahinter? Wer weiß das schon?
Deshalb hier die ultraliberale Antwort: Jeder sollte auf diesem Gebiet
seine eigenen Erfahrungen machen!

Bernd Positivityy fragt:
Hmm, was frage ich euch, wo sind die die worte blo ...also, a) Ich
sehe zwischen euch und bob dylan einige parellen, weniger in der
direkten musikalischen umsetzung als eher in der einheit zwischen
musik und text, dem versuch wahrhaftikeit in worte zu fassen. Ein
lied wie "love sick" mit seiner tiefe und melancholie könnte ich
mir sehr gut auch von euch vorstellen. Seht ihr euch von ihm inspiriert
oder sind dies ehr zufällige Ähnlichkeiten?
b) Vielen Dank für den text von "wer ich wirklich bin"
Element of Crime:
Zu a): Daß wir Bob Dylan sehr verehren, ist auf jeden Fall wahr.
Und daß du Ähnlichkeiten siehst, schmeichelt durchaus. Und: Kann
man jemanden verehren, ohne von ihm inspiriert zu sein? Was aber
nicht heißen muß, daß Ähnlichkeiten nicht auch zufällig sein können.
Zu b): Gern geschehen.
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